06 Juli 2014

Abschied

Vor gut einem Jahr hatte Mathias seinen ersten Schüler als Route und Strip Checkpiloten. Sean aus Kanada. Seitdem unterstützte er das MAF Wewak Team. Diese Woche nun hatte er seinen letzten Flugtag, denn nun ist sein 4 Jahresvertrag zu Ende und er wird zurück nach Kanada gehen. Ob er wiederkommt? Das weiß zur Zeit nur Gott
Mathias und Sean während der Trainingszeit. Hier in Tekin.
Eigentlich wollten wir ihn bei seiner letzten Landung in Wewak mit einem Kuchen überraschen, aber sein offiziell letzter Flugtag war so dermaßen verregnet, dass er gar nicht erst abgehoben ist. So sind wir mit Kaffe und Kuchen und ofenfrischen Muffins zum Morning Tea an die Base und haben als Team in gemütlicher Runde den Abschied gefeiert und am Ende noch ein kleines Fotoshootung gemacht.

Ein Kuchen zum Abschied
Die Überraschung ist gelungen!
Piloten und Basemitarbeiter, inklusive Security


02 Juli 2014

Eine lebensrettende Planänderung innerhalb 30 Minuten

Eigentlich war nur geplant, Passagiere in Tekin abzusetzen, einem Landeplatz im Hochland von PNG. Aber als ich gerade dabei war, die Flugzeugtüren wieder zu schließen, kam Jack, der MAF Agent, auf mich zu und stellte eine ungewöhliche Frage: „Hat Lucy mit dir gesprochen?“

Lucy ist unsere Base Managerin in Telefomin und klar, hat sie mit mir gesprochen, als ich vor gut 30 Minuten dort zum Zwischentanken und Aufnehmen der Passagiere für Tekin dort war. Aber bezüglich dessen, was mich in Tekin erwartet, hat sie nichts gesagt. Sobald ich gestartet bin und von meiner Seite aus kein Grund besteht, sie über Funk zu kontaktieren, kann sie mich während des Fluges nicht erreichen. Über Jacks Frage war ich doch ein wenig irritiert. Jedenfalls teilte er mir nun mit, dass eine junge Frau in den Morgenstunden ihr erstes Baby entbunden hatte, allerdings fehle noch die Nachgeburt und die Schwestern der kleinen Tekin Gesundheitsstation sind nicht in der Lage, ihr weiter zu helfen. Vermutlich haben sie genau in den letzten 30 Flugminuten versucht, Kontakt zu Lucy in Telefomin aufzunehmen, da es dort ein besser ausgestattetes Krankenhaus gibt.

Mein Tag war eh schon schwierig: Ich wusste, dass in unserem Spritlager in Telefomin nur noch ein halbes Fass stand und ich somit nicht nach Telefomin zurück konnte, die Patientin abliefern und mein Flugprogramm wir ursprünglich geplant fortsetzen konnte. Zeit und Sprit würden einfach nicht ausreichen. So entschied ich vor Ort, die Hälfte meines Programms zu streichen, um diesen Medevac möglich zu machen. 


Das Flugzeug ist fertig gerichtet, die Patientin einzuladen.

Ich sagte dem MAF Agenten, dass man die Frau zum Flugzeug bringen könne. In der Zwischenzeit re-arrangierte ich mein restliches Flugprogramm. 


Nekrin

Nekrin, die junge Mutter, wurde auf einer Trage aus Buschmaterial mit einen dünnen Schaumstoffmatratze obenauf zum Flugzeug gebracht. Sie sah echt nicht gut aus. Schnell bereitete ich das Flugzeug so vor, dass sie auf einer Seite der Kabine liegend transportiert werden konnte. Dann bat ich die Leute, sie vorsichtig ins Flugzeug zu heben, mit dem Kopf zuerst.


Einladen in Tekin

30 Minuten später war sie in Telefomin, wo ein nagelneuer Land Cruiser, der erst kürzlich vom dortigen Parlamentsabgeordneten für die Dorfgemeinschaft gespendet wurde, schon am Flugplatz wartete. Es war echt herausfordernd, Nekrin vom Flugzeug in den Land Cruiser umzuladen, ohne eine Trage zur Hand zu haben. 


Vom Flugzeug in den Land Cruiser
Vom Flugzeug in den Land Cruiser
Als ich abends über meinen Tag nachdachte, war ich froh drum, dass ich einen Teil meines Programm gestrichen habe, um diesen Medevac möglich zu machen und die junge Frau in ein Krankenhaus zu fliegen, wo sie die medizinische Betreuung bekommen kann, die sie braucht. Die kleine Krankenstation in Tekin ist für solcherlei Geburtskomplikationen einfach nicht ausgestattet und man kann nur erahnen, was passiert wäre, wenn ich sie nicht hätte ausfliegen können.


Zwei Tage später erhielten wir die Nachricht, dass die Placenta noch am selben Tag im Krankenhaus in Telefomin entfernt werden konnte und es Nekrin gut gehe.

17 Juni 2014

Gefängnisgottesdienst

Am Sonntag haben wir den Gottesdienst im Gefängnis in Wewak mit ca. 40 Insassen und mit unseren Liebenzeller Freunden gefeiert, die dort im Rahmen eines 6-monatigen Praktikums tätig sind, u.a. den Gottesdienst für die männlichen Gefangenen mit gestalten und Kurse zu Themen wie AIDS, Drogen- und Alkoholmissbrauch durchführen. 
Ermutigend war, wie die Männer mit vollem Herzen Lobpreislieder gesungen haben. So einen Freudenchor haben wir in der Gemeinde, zu der wir sonst ab und an gehen, schon lange nicht mehr gehört. Auch war ein Ex-Häftling zu Besuch, der die Männer durch sein Zeugnis ermutigen konnte, die Zeit im Gefängnis als Chance für einen Neuanfang zu sehen.
Einer der Häftlinge sieht sich auch als eine Art Gefängnispastor, organisiert Bibel- und Gebetsabend, steht als Ansprechpartner und Seelsorger zur Verfügung und hat die Gabe, toll Gitarre zu spielen und sogar eigene Lieder zu schreiben. 
Das Gefängnis liegt übrigens genau in der Verlängerung des Flugplatzes.


Liebenzeller Familie und ein Amerikanischer Missionar
von Pacific Island Ministries, der die Predigt hielt.
Auch ihn kennen wir; fliegt er ja auch gelegentlich mit MAF.

Ein Lobpreisteam 

Ein Lobpreisteam.
Links der "Gefängnispastor"

Ein Teil der Gottesdienstbesucher beim Lobpreis

Die Besuche im Frauengefängnis wurden leider noch nicht genehmigt. Ich hatte allerdings die Chance mit einem Angestellten des Gefängnisses zu reden, ein Christ, der auch in seiner Freizeit den Gottesdienst im Gefängnis gern besucht. Er ist u.a. auch der Chauffeur des Gefängnisdirektors, wie ich hinterher erfahren habe. Er versprach, seinen Chef mal auf den Besuchsdienst im Frauengefängnis anzusprechen. Auch meinte er, Frauen könnten auch zum Sonntagsgottesdienst kommen; was es braucht, sind eben deren Wärterinnen, die dazu motiviert sind und mitkommen.

Auf dem Weg nach draußen.
Keiner sitzt im Häuschen, die Schranke halb offen.
Das zum Thema Sicherheit ...

09 Juni 2014

Streiflichter

Streiflichter aus dem Cockpit

Startschwierigkeiten
Die GA8 macht uns immer noch Mühe. Der Motor startet bei unseren Außentemperaturen nicht, weil das Flugbenzin in den Sprit-Leitungen Dampfblasen bildet. Die Hilfe kommt in Form eines verbesserten Systems für die Einspritzung. Hoffentlich dauert es nicht mehr all zu lange.
Anfang Mai in Mt. Hagen.
Der Lycoming Asien Vertreter im Gespräch mit Mathias,
während Bert, ein MAF Mechaniker, am Motor schraubt.

Schuleinweihung
Eine bemerkenswerte Show haben die Buschbewohner von Sumwari aufgeführt. Mit mehrstimmigen Gesängen und farbenfrohen Kostümen wurden zwei Klassenzimmer und ein Lehrerhaus eingeweiht. Ein Kameramann begleitete die Delegation von Regierungsvertretern und bringt einen Beitrag im nationalen Fernsehen.
Zur Feier des Tages gab es Mumu (Schwein und Gemüse im Erdloch gegart) und Obst. Vermutlich habe ich mir dort irgendwas eingefangen. Jedenfalls  hat mein Magen die nächsten Tage nicht normal funktioniert...
Missionare
Vier junge amerikanische Freiwillige besuchen verschiedene Stationen von New Tribes Mission im Sepik, erst Munbil, eine Station die erst in 2012 aufgebaut wurde und diese Tage sind sie in Sinow. Das Team von Sinow begann im Jahr 2000 das Sprachstudium und diese Woche finden die letzten Übersetzungsprüfungen für das Neue Testament statt. So verlassen mit Frank und Mirjiam die letzten Missionare dann auch Sinow. Im Frühjahr 2015 ist dann die Übergabe des Neuen Testaments geplant. Dennoch werden diese jungen Gemeinden nicht allein gelassen. Regelmäßig werden Missionare von NTM Besuche in den Dörfern machen, die Ältesten und Pastoren schulen und ermutigen. Schließlich heißt es im Missionsbefehl Jesu ja nicht nur „Gehet hin in alle Welt und macht zu Jüngern“, sondern der Auftrag Jesu´ geht weiter: „und lehret sie zu halten das Evangelium“.
Die vier jungen Amerikaner sind sehr aufgeregt, weil es das erste Mal ist, dass sie fernab von jeglicher Zivilisation echtes Buschleben kennenlernen.
Medevac
Wir mussten das Programm für Freitag umstellen, um eine Frau mit einer schmerzenden Brustentzündung von Malaumanda nach Wewak zu fliegen. Ihr Mann begleitete sie, um sie im Krankenhaus in Wewak zu versorgen. 
In Malaumanda gibt es eine Station von New Tribes Mission, die seit Jahren die Sprache erforscht, die Bibel übersetzt und eine Gemeinde aufbaut. Die 3 NTM Familien haben in den letzten Wochen gerade ihren Stamm verlassen, weil die Gemeindeaufbau- und Übersetzungsarbeit  abgeschlossen ist – nach knapp 20 Jahren!


Streiflichter aus Mandy´s Alltag
Seit kurzem hat Mandy auch eine offizielle Rolle bei MAF PNG. Sie stellt einen MAF PNG Monatsrundbrief zusammen und verfasst auch größere Geschichten, die andere MAF Gruppen dann für ihre Veröffentlichungen im Internet oder in Magazinen benutzen können oder die an Großspender weitergeleitet werden. Alles zwingender Weise auf Englisch natürlich.
Eine Herausforderung ist, an Stoff zu kommen, aus dem man eine Geschichte machen kann. Es soll ja nicht nur was aus Wewak sein... So muss sie immer spitze Ohren haben, doch auch aus der Ferne etwas mitzubekommen, was an anderen MAF Stützpunkten läuft. 
Zurzeit ist das ein Vertretungsjob für eine Kollegin, die für 3 Monate in Heimaturlaub ist. Eigentlich hat diese genug andere Hüte auf, denn sie ist auch die Frau des Programm-Managers. Mal schau´n, inwieweit Mandy auch nach ihrer Rückkehr nach PNG in dem Bereich noch weitermachen kann. Ihr macht es Spaß und es wäre echt schön, wenn sich daraus etwas längerfristiges entwickeln könnte.


Streiflichter vom Compound
Dies ist unser neuer 27kW Compound Generator, der sich zzt. auch täglich mehrere Stunden bewährt. Seit wir ihn haben, ist es irgendwie schlimmer geworden mit den Stromausfällen, zzt. versagt die städtische Stromversorgung täglich ab 17 Uhr bis spät in die Nacht hinein. Aber das kann uns ja jetzt nicht mehr stressen –  außer, dass wir immer genug Diesel auf dem Compound haben zum Nachfüllen... Die Zeit der spontanen Candle Light Dinners ist also nun vorbei. Jetzt sind wir selbst verantwortlich, unsere Ehe mit solcherlei romantischen Einlagen aufzufrischen ;)

Mathias erhält die Einweisung in die Generatorbedienung.

Streiflichter vom Wochenende

Vor zwei Wochen haben uns Freunde zu einem Ausflug nach Kairiru eingeladen, einer Wewak vorgelagerten Insel. Dabei haben wir u.a. die Hühnerfarm gesehen, von der wir aller 2 Wochen frische Eier erwerben und vor Ort auch eine Palette Eier bekommen, um sie in den heißen Schwefelquellen der Insel zu kochen. Gestern haben wir uns bei den Freunden mit einer Schwarzwälder bedankt! 


Im Boot auf dem Weg nach Kairiru

Glückliche Hühner?

Heiße Quellen in Victoria Bay

Schwarzwälder mit Freunden

04 Juni 2014

MAF PNG Website

Schaut doch mal vorbei!

http://maf-papuanewguinea.org




26 Mai 2014

Was grad so los war

Ihr wundert euch vielleicht, dass es auf unserem Blog zzt. relativ ruhig ist, ihr wenig aus Mathias´ Flugalltag hört. Das hat zum einen damit zu tun, dass es hier in Wewak zeitweise drei Piloten gibt und nur ein Flugzeug und zum anderen und zum anderen kann er, wenn er denn grad mal im Cockpit unterwegs ist, zzt. keine Fotos machen. Unsere kleine IXUS hat nach gut zwei Jahren ihren Dienst quittiert. Jetzt sind wir dabei, eine neuen kleine Kompaktkamera aus Australien zu organisieren… 

Ist Mathias daheim, liegt er natürlich auch nicht auf der faulen Haut. Dies gibt ihm Zeit, sich um Emails und andere Interna zu kümmern. Dazu ist er allerdings letzte Woche an seinen drei flugfreien Tagen auch nicht gekommen, weil sich hier die Handwerker die Klinke in die Hand gegeben haben und da schaut man besser ab und an mal vorbei bzw. man muss ihnen einiges erklären und bekommt in Retour dann auch wieder einige Erklärungen. Außerdem haben wir seit letzter Woche einen Schweizer Zimmermann hier, der für einige Zeit hier auf dem Compound diverse Reparaturen durchführt und auch erstmal eingewiesen werden musste. Da geht allein schon ein Tag drauf, ihm die Stadt zu zeigen und die Baumärkte, nicht, weil Wewak etwa so groß ist oder das Verkehrssystem so unübersichtlich. Nein, die Zeit braucht es einfach, bis man in einem Baumarkt mal jemanden findet, der einem kompetent Auskunft und einen Kostenvoranschlag gibt und dann wird man für den Nachmittag wieder bestellt, das Papier abzuholen und auch gleich die Ware. In deutsch-schweizer-Pünktlichkeitsmanier vertraut man drauf, dass dann auch alles passt und muss dann doch feststellen, dass die Hälfte fehlt und die Ware doch noch nicht da ist. Aber in drei Stunden sei der Container dann ausgeladen und die Ware verfügbar. Also gut, noch mal heim, einen kühlen Drink genießen und einen kühlen Kopf bewahren... Noch mal in die Stadt. Hm, ähm, ... morgen sei die Ware dann wirklich da... 

Parallel ist ein Trupp Leute damit beschäftigt, endlich den neuen Stand-by Compound Generator anzuschließen und auch Leute von PNG Power sind verfügbar, die Verkabelung abzunehmen und die Zuleitungen entsprechend zu verändern. Das dauerte auch drei Tage und brauchte auch viel Zeit und Gespräch, bis alles so war, wie wir es wollten und Mathias dann am Ende auch eine Einführung in die Komplexität der Schaltung erhielt. Nun warten wir auf den nächsten Stromausfall und sind gespannt, ob alles wirklich funktioniert.

Das Generator Team

Robert, der Chef, erklärt Mathias den Generator

21 Mai 2014

Ausflug in die Vergangenheit

In unserem letzten Rundbrief hatten wir erwähnt, dass MAF PNG sich auf Ende 2013 von einem bewährten Arbeitsmittel getrennt hat: allen Cessna 206:
Ausflottung der letzten Cessna 206 
 Am 29. Dezember 2013 wurde die letzte auf MAF PNG registrierte Cessna 206 nach Australien geflogen, um dort verkauft zu werden. Über Jahrzehnte war die C206 ein echtes Arbeitstier für MAF hier in PNG, wurde nun aber durch eine Flotte der Airvans GA8 ersetzt.
Mathias ist die C206 nur für Trainingszwecke in Australien geflogen, jedoch nie hier im Land. Zuerst flog er die Twin Otter und nun den Airvan, auf dem er bald seine 2000. Flugstunde in sein Logbuch eintragen kann.

In Simbai, 20. Dezember 2007. 
Wir sind Passagiere in der C206 und auf dem Weg nach Madang. 
Drei Tage später verloben wir uns ...
Wir haben mittlerweile auch einen großen englischsprachigen Freundeskreis und es es interessant, wie über die Jahre die Kontakte zu verschiedenen Leuten entstanden sind. Aber das ist eine andere Geschichte...
Jedenfalls kam es, dass wir vor 2 Jahren eines Tages eine Email von einem Ian W. Stacy aus Australien erhielten, der sich uns als Ex-MAF Pilot vorstellte und mittlerweile um die 80 Jahre ist. Immer wieder findet er einen Anknüpfungspunkt in unserem M&M Flight Recorder und erzählt von seinen Erfahrungen hier im Land zwischen 1960 und 1968. So auch dieses mal...
„Gegen Ende August 1967 gab es eine der bedeutendsten Änderungen im Wapenamanda Programm. Max Meyers kam von Wewak geflogen und zwar in einer neuen Turbo geladenen Cessna TU206, VH-MFH, der ersten Cessna dieser Art in unserer MAF Flotte. Die Veränderungen im Flugverhalten waren vom ersten Flug an deutlich zu spüren.“
Ian machte einige normale Flüge im Wapenamanda Programm, erinnert sich aber speziell an einen seiner ersten Flüge von Wewak zurück ins Hochland, nachdem die Maschine für eine Inspektion in Wewak war. Er hatte eine volle Ladung Lebensmittel für eine Missionsstation in Kandep geladen. 
„Über das CRMF Netzwerk rief ich die Missionstation in Kandep und erkundigte mich nach dem Wetter. „Es ist recht wolkig hier, aber man sieht durchaus blauen Himmel.“ Das hörte sich doch ganz gut an. Aber als ich die Funksprüche anderer Maschinen auf meiner Route  südlich von Wewak mithörte, realisierte ich, dass manche echt Probleme mit dem Wetter hatten, tiefhängende Wolken und Regen im Lagiap Flusstal. Immer wieder korrigierten die Piloten ihre Landezeiten für ihre Zielflugplätze nach hinten, addierten immer ein paar Minuten zu ihrer Flugzeit. Auch auf meiner Route waren viele Wolken, deshalb stieg ich bis auf 14.000 Fuß und nutze die im Flugzeug eingebaute Sauerstoffversorgung für mich.“
Madang Flight Service schien wurde auch immer routinierter, die verzögerten Landezeiten der verschiedenen Flugzeuge, die allesamt Schwierigkeiten mit dem Wetter in niedriger Flughöhe hatten, aufzunehmen.
„Wegen der höheren Fluggeschwindigkeit, die durch Fliegen in größeren Höhen entsteht, rief auch ich über Funk Madang an, um meine Landezeit jedoch nach vorne zu korrigieren. Mandang rief zurück und fragte: „Landezeit bitte bestätigen.“ „Positiv!“
Ian flog mit seiner neuen Turbo C206 also nicht nur höher als alle anderen Piloten, sondern genoss förmlich die neuen Flugeigenschaften und seine Vogelperspektive über all die anderen Piloten, die sich um und unter den Wolkentürmen verzweifelt ihren Flugweg suchten.
VH-MFH_Photo Brierley Bailey



13 Mai 2014

Startschwierigkeiten

Das Programm für Freitag den 25. April war eigentlich ein kurzes Programm. Von Wewak, nach Ambunti, dann Blackwara, Hauna und Wewak. Der Flug von Wewak an der Küste nach Ambunti in der Mitte des Sepik-Beckens ist ein 40 Minuten Flug. Die höchsten Hindernisse sind das Küstengebirge bei Wewak mit ca. 500 Meter und der gleich hohe Berg Townsend, an dessen Fuß Ambunti liegt. In 1,3 Kilometer Höhe fliegt das Flugzeug am Morgen durch ruhige Luft, die noch von keiner Thermik oder sonstiger Verwirbelung gestört ist. Eigentlich ein guter Start für einen kurzen Flugtag. Eigentlich 

Landeanflug auf Ambunti

In Ambunti war nur ein kurzer Stopp geplant, um Fracht auszuladen. Dann sollte es gleich weiter gehen. Daraus wurde aber nichts. Ein Passagier aus Wewak hat es sich wieder in der Kabine auf seinem Sitz bequem gemacht und wartete gespannt auf den Weiterflug nach Blackwara. Er ist ein Einheimischer, der schon öfters mit MAF geflogen ist. Mit der Ruhe der Einheimischen beobachtet er, wie ich die Kabinentüre schließe und auf dem Pilotensitz Platz nehme. Mit dem Umlegen der Hauptschalter an der Decke fangen die Lüfter an zu surren und ein paar Lichter im Cockpit leuchten auf. Das Geräusch der Kraftstoffpumpe ist ein unangenehm hohes Surren, das normalerweise nur für 3 Sekunden zu hören ist. Dann rufe ich „Clear Prop“, was soviel heißt wie: „Achtung der Propeller dreht sich gleich!“, und der Startermotor beginnt die schwere Arbeit, den Propeller mitsamt den ganzen Innereien eines Sechs-Zylinder-Motors zu drehen. 

Pilot und Passagier erwarten, dass der Motor gleich mit einem mächtigen Schütteln erwacht und seinen lärmenden Dienst an der Flugzeugnase aufnimmt. 10 Sekunden verstreichen, ohne dass eine Zündung in einem der sechs Zylinder den Startermotor befreit.  So was passiert schon mal, wenn der Motor nach einem 40 Minuten Flug heiß ist und der Kraftstoff in den Benzinleitungen verdampft, bevor er in die Zylinder kommt. Piloten nennen das „Dampfblasenbildung“. Wenn das passiert, kommt zu wenig Kraftstoff in die Zylinder, um ein zündfähiges Gemisch aus Kraftstoff und Luft zu produzieren. Gut, dann probieren wir es noch einmal.

Wieder surrt die Kraftstoffpumpe für drei Sekunden und ich rufe mein „Clear Prop“. Wieder verrichtet der Startermotor seinen Dienst und dreht die 300 PS Maschine für den Start. Der Hersteller hat eine maximale Startdauer von 10 Sekunden vorgeschrieben, damit der Startermotor nicht überhitzt. Nach Ablauf der Zeit braucht der Starter eine Erholungspause von 20 Sekunden. Es kommt nicht auf die Sekunde an, aber das Prinzip soll die Lebensdauer aller am Startprozess beteiligten Komponenten erhöhen. 

Wieder keine Zündung in den Brennräumen. Der Passagier fragt nervös in der Ausdrucksweise der Papua Neuguinesen, ob der Motor eine „Krankheit“ hat. „Ja, ja“ antworte ich, „aber es ist nur eine kleine Krankheit. Bestimmt springt der Motor gleich an“. 

So schnell sollte es aber nicht gehen. Nach sechs erfolglosen Startversuchen schlägt der Hersteller in seinem Flughandbuch vor, dass man dem Motor eine 30-minütige Pause gönnt, bevor man wieder für sechs mal 10 Sekunden den Starter bedienen darf.

Also gönnen sich Pilot und Passagier 30 Minuten an der „frischen“ Luft (35ºC oder mehr...). Ich schraube die zwei Motorhauben ab, damit der Motor besser abkühlen kann. Die Zylinder sind noch heiß vom Flug von Wewak nach Ambunti. Weil Piloten gerne messen, gibt es ein elektronisches Motor-Daten-Überwachungsinstrument. Das Instrument verrät mir, dass die Zylinder noch ca. 140 ºC haben. Ganz schön heiß. Nach ca. 30 Minuten Abkühlphase liegt die Temperatur gerade mal bei 80 ºC. Das ist doch jetzt schon ganz schön kalt, denke ich mir und scheuche meinen Passagier wieder auf seinen Sitzplatz. Schnell, schnell, wir haben schließlich schon eine Menge Zeit verloren. Wenn ich jetzt starte, dann komme ich um 14 Uhr in Wewak an und bin fertig für die Woche.

Es ist nicht das erste Mal, dass ein Motor schwer anspringt. Aus vergangenen Erfahrungen weiß ich, dass es ein paar Tricks gibt, mit dem man den Motor überlisten kann. Die Kraftstoffpumpe surrt wieder unangenehm hoch und diesmal für ein paar Sekunden länger. Mein Passagier ist diesmal gespannt und beobachtet ruhig, wie ich den Starter betätige und sich der Propeller dreht. 10 Sekunden lang geschieht nichts anderes als das. Keine Zündung und kein Hinweis darauf, dass der Motor anspringen mag. Gut, ich habe noch andere Tricks auf Lager. Schließlich hat es früher auch schon geklappt: Gashebel ganz auf, Gashebel halb auf, Gashebel fast zu, Kraftstoff für 1 Sekunde einspritzen, für 3 Sekunden, für 10 Sekunden oder überhaupt nicht. Nichts.

Die sechs erlaubten Startversuche verstreichen, ohne das der Motor tut, was er soll. Jetzt ist guter Rat teuer und ich entscheide mich für eine längere Verschnaufspause für Motor, Pilot und Passagier. Eine Stunde lasse ich den Motor abkühlen. Ein einheimischer Polizist kommt schon an das Flugzeug und fragt mich, ob er beim Anschieben helfen kann. Nachdem ich ihm für seine Idee gedankt habe, möchte er mir eine kalte Coca-Cola kaufen, denn er war gerade letzte Woche einer meiner Passagiere. Ich freue mich schon auf eine Erfrischung.

Offene Motorhaube meiner GA8 (hier in Hauna)

Inzwischen habe ich mein restliches Flugprogramm für den Tag für gestrichen erklärt und bespreche mit meinem Passagier, dass, wenn der Motor jemals wieder anspringen sollte, dann werden wir umkehren und wieder nach Wewak zurückfliegen, wo wir vor gut drei Stunden gestartet sind. Über das Handy gebe ich meiner Base in Wewak Bescheid, dass ich feststecke und so lange probiere, bis ich den Motor starten kann. In Ambunti zu übernachten ist nicht das schlechteste. Dort gibt es eine Missionsstation, die von einem kanadischen Ehepaar betreut wird. Ich könnte also mit einem Bett rechnen und vielleicht auch mit etwas zu essen. Die Erfahrungen der Vergangenheit zeigen, dass ein kalter Motor am Morgen besser anspringt als tagsüber. Die tagsüber 40 ºC Außentemperatur sind schließlich erheblich.

Schade nur für den Passagier, der wegen technischen Schwierigkeiten nicht zu seinem Ziel kommt.

Ich mache mich an die nächste Startversuchsreihe. So lange die Batterie noch mitmacht, gebe ich nicht auf. Wenn der Motor anspringt, dann kann die Batterie wieder laden. Wieder durchlaufe ich die normalen Startprozeduren und höre zum ersten Mal seit über drei Stunden so etwas wie eine Zündung. Ein „Plopp“ im Auspuffkanal, dann ist alles wieder wie zuvor. Das Surren der Kraftstoffpumpe und das Orgeln des Anlassers. Ich versuche es gleich noch einmal und übersehe dabei bewusst die vom Hersteller empfohlene Startverzögerung. Irgendwann, wenn die normalen Prozeduren nicht mehr funktionieren, dann müssen neue Prozeduren her. Ich kann dem Motor einen doppelten „Plopp“ entlocken und dann noch ein bisschen mehr. Plötzlich springt die Maschine an. Ich bin ganz fassungslos und kann es selbst kaum glaubne. Was um alles in der Welt hat die Maschine daran gehindert, vor drei Stunden anzuspringen? Ich weiß jetzt auch nicht so genau, was ich machen soll. Die Maschine läuft im Leerlauf und die Kabinentür ist noch auf, damit der Passagier keinen Hitzekoller bekommt. Ich lasse alles so, wie es ist und freue mich erstmal an dem kühlen Propellerwind, der durch meine offene Pilotentür weht. Ich checke die Batterie und sehe einen exorbitanten Ladestrom, den ich noch nie zuvor gesehen habe. Besser, ich schalte jetzt keine elektrischen Geräte an, um die Lichtmaschine nicht noch mehr zu belasten. Kann die Lichtmaschine eigentlich Feuer fangen, wenn sie so schwer arbeiten muss? Mir gehen da ein paar Fragen durch den Kopf, die später vielleicht relevant sein könnten. Minuten verstreichen, in denen ich die Drehzahl verändere und die Batterieladung kontrolliere. Nur nichts überstürzen. Wenn der Motor einmal läuft, dann läuft er.

Die Kabinentüre ist verschlossen und alles ist bereit für den Start. Jetzt geht es nur noch nach Hause.

Zurück an der Base in Wewak telefoniere ich mit unserem Chefmechaniker. Er erklärt mir, dass ich nur die falsche Technik angewendet habe. So etwas hört man als erfahrener GA8 Pilot nicht so gerne und ich erkläre mich dazu bereit, am kommenden Montag nochmals dieselbe Maschine zu fliegen.

Der Montag kommt.

Das Programm sieht wieder nur drei kurze Sektoren vor. Der für das Flugprogramm zuständige einheimische Mitarbeiter weiß um die Startschwierigkeiten und macht schon kurze Programme. Von Wewak nach Tinboli sind es 20 Flugminuten. Ich lande und ein Passagier steigt aus. Jetzt habe ich nur noch 160 kg medizinische Versorgungspakete für Nungwaia an Bord. Die Zeit am Boden in Tinboli ist sehr kurz. Ich steige schnell wieder ins Cockpit und versuche die Maschinen zu starten. Es dauert wieder drei Stunden, bis der Motor anspringt. Doch am Ende kommt es mir so vor, als hätte ich ein neues Geheimnis der Starttechnik entdeckt. 

Ich mache mich auf und fliege nach Nungwaia. Schließlich wartet das Krankenhaus schon ein paar Wochen auf die Nachschubmedikamente. Ich höre meinen Kollegen Brad im Sepik fliegen und funke ihn an. Er ist ganz in meiner Nähe und kann mir helfen, falls ich die Maschine in Nungwaia wieder nicht starten kann.

Rechts mein bockiger Airvan, links Brad´s Maschine.
Die Leute finden es spannend, zwei Flugzeuge auf einmal im Dorf zu haben!

Ich hätte nicht gedacht, dass ich mein Flugzeug in Nungwaia zurücklassen muss und mit Brad nach Wewak fliege. Weder ich noch Brad konnten den Motor zum Starten überreden. Am nächsten Tag setzt mich mein Kollege wieder in Nungwaia ab, damit ich mein Flugzeug nach Wewak zurückfliege, falls der Motor anspringt. Falls nicht, dann holt mich Brad am Nachmittag wieder ab und bringt gleichzeitig Mechaniker. Es ist gut, einen Plan B zu haben, aber diesmal muss ich nicht gerettet werden. Der Motor springt nach vier Versuchen an und ich kann nach Wewak fliegen.

Jetzt ist die Maschinen für die restliche Woche an den Boden gebunden. Die Mechaniker wollen keinen Flug mehr zulassen außer einen. Von Wewak nach Mt. Hagen in die Werkstatt und irgendwie startet der Motor zwei Tage später und nach knapp 20 Versuchen und lässt uns diesen Flug durchführen.


In der Werkstatt finden Mechaniker einen total verstellten Magneten. Da hat wohl jemand beim Hersteller eine Mutter nicht richtig angezogen. Der Fehler ist schnell behoben und die Maschine startet wieder wie an ihrem ersten Tag 

Das Expertenteam: Bert, Trevor und sogar ein Ingenieur von Lycoming

Bert, fröhlich bei der Arbeit
Übrigens: Hier bei MAF PNG können wir dringend noch mehr Piloten und Mechaniker gebrauchen. Auch Personal in der Verwaltung und im Management. Bei Interesse meldet euch bitte bei uns oder bei MAF Deutschland.


17 April 2014

Der (fliegerische) Alltag hat begonnen


Meine fliegerische Überprüfung nach unserem Deutschlandaufenthalt fand in der ersten Aprilwoche in Mareeba, Australien statt und ich habe gestaunt, an wie viele Techniken und Routinen ich mich noch erinnern konnte. Die vier Tage haben es mir leicht gemacht, meinen Arbeitsplatz über den Wolken wieder zurück zu erobern. 

Zurück in PNG ging das Training weiter. Ich musste drei Tage noch mit Martin fliegen, dessen Aufgabe es war, mich wieder in die Routinen hier im Land einzuführen.
Am Montag war eine kurze Runde im Flachland geplant. Dienstag schaute sich Martin meine gebirgsfliegerischen Fähigkeiten an. In Duranmin konnten wir zwei Einheimischen helfen, die ins Krankenhaus nach Telefomin wollten. Einer der beiden hatte eine gebrochene Hand, beim anderen hieß es „Em i no ken pispis.“

Am Mittwoch gab es einen kurzer Flug von Wewak zum MAF Hauptquartier nach Mt. Hagen. Schlechtes Wetter als Vorboten für den Zyklon ITA im Norden von Australien kennzeichneten den Flugtag.
Donnerstag dann hatte ich meinen ersten Solo-Flugtag. Und wieder will ein Einheimischer aus einem Buschdorf ins Krankenhaus nach Telefomin, gleicher Grund: „Em i no ken pispis.“ Ich ändere dafür das restliche Flugprogramm. Dennoch kann ich Glenda aus Tekin mit nach Wewak nehmen in ihre sicher wohlverdienten Osterferien. Wir freuen uns schon, sie demnächst mal wieder zum Essen einzuladen und von ihr zu hören. Es ist immer spannend, was sie aus ihrem Alltag an der Schule in Tekin erzählt oder aus ihren früheren Jahren in PNG, als sie noch als Bibelübersetzerin gearbeitet hat und auch viele kilometerlange Fußmärsche auf sich genommen hat. Sehr abenteuerlich!
Am Freitag war dann Erholung angesagt! Eigentlich wollten wir die Veranda streichen, aber das Wetter... Stattdessen liste ich u. a. alle Flugplätze auf, auf denen ich in den vergangenen Jahren bereits eingewiesen wurde – wo, wann, von wem. Der Chefpilot muss es wissen.
Apropo ITA ... Wellen, Wind und Meer
Dreimal am letzten Wochenende bekamen wir eine Tsunami-Warnung auf unser Mobiltelefon. Es gab Seebeben der Stärke 7+ östlich von Papua Neuguinea im Raum der Salomons. Aber jeweils innerhalb einer Stunde kam auch schon die Entwarnung. Ja, wir leben hier ziemlich dicht am sogenannten „Ring of Fire“, da, wo kontinentale Platten aufeinander treffen und ständig in Bewegung sind. 
Wer mitplotten will, dem sei folgende Internetseite empfohlen:



Ansonsten haben wir auch die Ausläufer von ITA mitbekommen, dem Zyklon, der auf die Nordküste Australiens getroffen ist. Ganz Papua Neuguinea hatte deshalb in den letzten Tagen auch sehr sehr viel Regen. In manchen Landesteilen gab es entsprechend reißende Flüsse, Straßen und Brücken sind zerstört, ganz zu schweigen von vielen Häusern und Gärten der Menschen hier – ihrer Lebensgrundlage. 
Dieses schlechte Wetter bzw. der Regen machte uns insofern auch einen Strich durch die Rechnung, dass wir unsere Veranda noch nicht wie geplant neu ölen konnten.
Aber am Meer waren wir auch schon! Zurzeit herrscht Westwind und um diese Jahreszeit sind die Wellen, die an Land treffen, noch recht stark und groß – zumindest an bestimmten Stellen in den Buchten vor Wewak. So kann man echt viel Spaß haben, sich ihnen in die Quere zu stellen oder sich auf ihnen Richtung Strand treiben zu lassen.

Mandy hatte diese Woche auch oft mehr zu kochen, da wir schon die ersten Übernachtungsgäste hatten, u. a. die neue Ground Ops Managerin von MAF PNG, die vorher den Flugbetrieb einer Militärstation auf Feuerland logistisch geleitet hat. Interessante Menschen, die es zu MAF verschlägt!

04 April 2014

Wir merken, dass wir wieder in Wewak sind, weil ...

  1. die Luftfeuchtigkeit selten unter 80% und das Thermometer tagsüber nie unter 30ºC fällt 
  2. wir selbst ohne körperliche Anstrengung schwitzen, auch wenn wir einfach nur so dasitzen 
  3. um so mehr schwitzen, sobald wir uns bewegen
  4. wir auf unseren Schweißfilm (eigentlich) noch zusätzlich Sonnencreme und Anti-Moskito-Spray auftragen 
  5. Geckos wieder über unsere Wände, Zimmerdecken und sonst wo krabbeln und deren Hinterlassenschaften überall zu finden sind, ebenso ihre Eier
  6. manche unserer Sätze Wörter aus drei verschiedenen Sprachen enthalten (Deutsch, Englisch, Pidgin)
  7. wir in der Öffentlichkeit nicht mehr Händchen halten dürfen
  8. die Lebensmittel im Geschäft das Mindesthaltbarkeitsdatum oft schon überschritten haben, aber deshalb nicht unbedingt im Preis reduziert sind
  9. Lasagneblätter mit Käferchen...
  10. zuweilen Mehl, Pasta oder ähnliches zusätzliche Proteine enthalten
  11. man bzw. Mandy unser Brot wieder selber backen muss, da es sonst nur fluffiges Toastbrot gibt
  12. Haferflocken, wenn es sie denn zu kaufen gibt, zehnmal so teuer sind als in Deutschland und alles andere im Durchschnitt etwa das Doppelte kostet als in Deutschland
  13. man in allen Geschäften seine Einkäufe in Plastiktüten verpackt bekommt und am Ausgang kontrolliert wird, ob man auch alles bezahlt hat (zumindest die Einheimischen werden kontrolliert; uns Weißen vertraut man)
  14. man von machen Dingen Hamsterkäufe macht, weil man ja nie weiß, wann diese Dinge mal wieder in der Stadt zu haben ist
  15. man ein Feuerzeug braucht, um ein Streichholz anzuzünden
  16. wir in jedem Zimmer kleine LED Lampen verteilt haben, die wir beim Stromausfall drücken können, um den Weg zur nächsten Taschenlampe bzw. zu Kerzen und Streichhölzern zu finden
  17. wir wieder auf einem Gasherd kochen
  18. wir uns in unseren vier Wänden anschreien müssen um einander zu verstehen, da der Verkehr auf der Straße vor unserem Haus so laut ist und wir die Fenster nicht schließen können und auch nicht schließen wollen
  19. der Wind direkt durch unser Haus bläst
  20. das Donnergrollen hier so laut ist, dass das ganze Haus wackelt und einem auch alle Knochen durcheinander geschüttelt werden
  21. der Kühlschrank so viel zu schaffen hat, dass er seine Umgebung auch noch heizt
  22. wir Kaffee kochen können, bis sich eine Internetseite aufgebaut hat
  23. wir unser Trinkwasser wieder durch einen Keramikfilter laufen lassen müssen
  24. wir unsere Kleidung weniger danach auswählen, was gerade in und cool ist, sondern was einen weniger schwitzen lässt 
  25. wenn wir Briefe aus Deutschland erhalten, die vor einem Jahr abgestempelt sind. Immerhin!
  26. man auf dem Markt nicht nur Obst und Gemüse, sondern auch (frittierte) Sagowürmer und Fledermäuse kaufen kann  
    Sagowürmer – die wackeln noch!
  27. wir nur Kunstblumen in unserer Wohnung haben, da wir weder zusätzlich Feuchtigkeit noch Ungeziefer in unserer Wohnung wollen
  28. die Sonne morgens um halb sieben auf und abends um halb sieben untergeht
  29. wir wieder hinter einem zwei Meter hohen und zusätzlich mit Natodraht gesichertern Metallzaun wohnen
  30. nachts an den vier Ecken unseres Hauses Neonröhren brennen (ok, die beim Schlafzimmer haben wir ausgebaut...)
  31. nach einem Anruf von jemandem aus Deutschland das Ohr so schmerzt, weil man wegen der schlechten Verbindung den Hörer so ans Ohr pressen muss
  32. fast jeden Abend und am Wochenende sowieso von der anderen Straßenseite laute Lobpreismusik tönt, weil die Kirchengemeinde dort wohl gerne singt und genug Instrumente und Verstärker hat 
  33. die Waschmaschine aussieht wie eine Schleuder und man zweimal spülen und schleudern muss, damit der Dreck und das Waschpulver wirklich aus der Wäsche draußen sind
  34. wir nachts aufwachen von Geräuschen, die klingen wie ein Schuss, schlussendlich aber Mangos oder Kokosnüsse sind, die aufs Metalldach knallen
  35. Straßenabschnitte zuweilen mehr Schlaglöcher als Asphalt haben
  36. es überall Sicherheitspersonal gibt – in den Supermärkten, Banken, Apotheken, Baumärkten, Hotels und auch des Nachts auf unserem Grundstück
  37. unsere Bücher total muffig riechen
  38. wir bzw. Mandy regelmäßig unseren „Pferdestall misten muss“, sprich Zimmer für Zimmer mit Chlorwasser im Viereck putzen musst (Boden, Wände, Zimmerdecke), da überall Schimmel wächst, wenn man nicht hinterher ist 
  39. Schimmelflecken
  40. wir nicht mehr Handy sagen, sondern „Mobail“ 
  41. wir mehr Werbe-SMS bekommen als normale Textnachrichten
  42. wir wieder Tsunami-Alarm Nachrichten auf unser Mobile bekommen, da wir hier nur wenige Hundert Meter Luftlinie von der Küste entfernt wohnen
  43. wildfremde Leute einen anrufen und das zu jeder Tages- und Nachtzeit, aber schnell wieder auflegen, noch eh man abgenommen hat (die PNG-Art des Klingelputzens...)
  44. ein Vermögen an exotischen Blumen den Gottesdienstraum schmückt
  45. wir sogar das Brechen der Wellen hören können – wenn der Verkehr abends bzw. nachts fast ausbleibt
  46. das Vogelgezwitscher so laut und verrückt klingt, als wären die Spezies hier genetisch manipuliert (und so eingestellt, dass sie genau dann beginnen, wenn man das Licht im Schlafzimmer ausmacht...)
  47. man hier jeden grüßt, an dem man vorbeiläuft  
  48. zuweilen mehr streunende Hunde als Autos auf der Straße zu sehen sind
  49. alte Schiffswracks am Strand zu finden sind oder auch Unfallwagen ausgebrannt und/oder ausgeschlachtet einfach so im Straßengraben vollends verrosten  
  50. Das Schiffswrack liegt mindestens schon zwei Jahre am Stadtstrand;
    andere schon Jahrzehnte... 
  51. wir unsere Kleider wieder im Second Hand Shop kaufen (in der Hoffnung, noch etwas brauchbares zu finden…) 
  52. wir sensible elektronische Geräte (Laptops, Kameras) in einen Trockenschrank packen, damit sie nicht kaputt gehen


  53. das Müllauto noch komplett manuell funktioniert, dass heißt der Müll wird in Handarbeit eingesammelt (wenn die Arbeiter Glück haben, haben sie wenigstens Stiefel und Handschuhe an)   
  54. Letzte Woche Sonntag um 11.30!
    Hier werden die Reste vom Samstagsmarkt aufgeräumt...














  55. vor einem plötzlich ein Schwall von rotem Etwas aus einem Auto auf die Straße spritzt und manche Wege aussehen, als ob jemand verblutet ist (in Wirklichkeit ist es rote Spucke, die beim Kauen der Betelnuss zusammen mit gebranntem Kalk entsteht. Und ihr glaubt nicht, welche Mengen Spucke die Leute in ihrem Mund ansammeln können)  
  56. rote Betelnuss-Spuren
  57.  Mathias wieder einen mehr oder weniger geregelten Tagesablauf hat und um viertel vor sieben den Compound verlässt – dazu sicher bald mehr…