07 Juni 2010

Flugzeug statt Kanu

Hannes und Carolin Wälde sind Missionare von der Liebenzeller Mission. Hannes ist Leiter der Schreinerei in Ambunti. Mitte Juni verlassen die Wäldes nach drei Jahren Ambunti und gehen zurück in den Schwarzwald. Ihr Hab und Gut sollte ursprünglich mit einem Kanu den Sepik hinunter zu dem Ort Pagui transportiert werden, und dann mit einem Lastwagen der Mission nach Wewak. Aber es kam anders...

Am vergangenen Wochenende hat in Ambunti ein betrunkener Mann einen anderen Mann aus Pagui mit dem Buschmesser am Kopf schwer verletzt. Die Stammesangehörigen des Verletzten aus Pagui haben das nicht auf sich sitzen lassen und sind mit selbstgebauten Waffen in einem Kanu nach Ambunti gefahren und haben dort für Unruhe gesorgt. Gleichzeitig haben andere Stammesangehörige des Verletzten die einzige Straße am Sepik in der Nähe von Ambunti gesperrt und wollen keinen passieren lassen, der aus Ambunti kommt. Hannes kennt diese Art von Machtkämpfe und weiß, dass es in den nächsten drei Wochen keine Ruhe mehr gibt. Kurzerhand hat er MAF gefragt, ob wir seine Sachen aus Ambunti nach Wewak fliegen können. Das kostet zwar mehr, aber es ist sicher gestellt, dass die Sachen auch ankommen. Da wir am Mittwoch kein Flugprogramm hatten, konnte ich Hannes helfen.

Zwei Flüge waren nötig um 950 kg an Kisten und Fässern zu transportieren.

Das gab MAF gleichzeitig die Chance, das Spritlager in Ambunti aufzustocken und Spritfässer von Wewak nach Ambunti zu fliegen.

Zur Feier der Stunde – Erdnüsse im Cockpit

Seit langem hatte Mathias, da er ja nun einziger Wewak-Pilot ist, mal wieder eine volle Flugwoche.

Vergangenen Montag gabs den wöchentlichen Hagen-Flug und am Nachmittag gings nach Lumi. Mit an Bord Jim, sein Mitarbeiter und ein kleines Baumkänguruh! Letzteres stak in einem Sack und musste auch in den Cargopot während des Flugs. Aber es war noch ganz munter hinterher.

Mandy war wieder Copilot, da wir uns Lumi und das Baumkänguruh-Projekt mal kurz genauers anschauen wollten. Jetzt wissen wir, dass es insgesamt 165 verschiedene Beuteltiere gibt...

Mit unserm nächsten Besuch aus Deutschland wollen wir nämlich mal längers in Lumi bleiben, um noch mehr über die Baumkänguruhs zu erfahren. Die gibt es nämlich nur in Australien und PNG.

Jetzt brauchen wir nur noch das OK vom Chefpiloten, dass wir das Flugzeug dort zwei Nächte stehen lassen können.

Auf dem Rückflug waren wir allein an Bord und Mathias entschied sich für den Weg entlang der Küste. Auf dem Hinflug sind wir nämlich an einem riesigen Gewittergebiet, dass im Küstengebirge festhing, geflogen. Fünf Minuten vom Flugplatz Lumi entfernt dachten wir alle, dass wir wohl umdrehen mussten. Aber Mathias flog vorsichtig weiter um die Wolken herum und fand tatsächlich eine Lücke, um unter die Wolken zu tauchen. Und siehe da: Lumi war frei, die Wolken standen neben der Landebahn und nicht davor. Und sogar die Sonne schien!

Im Rückflug flog Mathias seine hundertste Stunde als GA8-Pilot. Das musste natürlich gefeiert werden und so wurden Erdnüsse vom Kabinenpersonal serviert, was bei den MAF-Flügen eigentlich unüblich ist ;o)

Außerdem nutzten wir die Gunst der Stunde, etwas vom direkten Kurs abzuweichen und über die Wewak vorgelagerten Inseln zu fliegen.

Wow! Sah das toll aus! Da gibt es noch viele Riffe, die es schnorchelnd zu entdecken gibt!

01 Juni 2010

Rote Riesenstachelbeeren?!?!

Das erste Mal aß ich solch eine Frucht in Madang. Natürlich brauchte ich dafür erstmal eine Bedienungsanleitung... Und bis ich mir den Namen merken konnte, verging auch der ein oder andere Marktbesuch hier in Wewak: RAMBUTAN heißt diese Riesenstachelbeere, die jedoch nicht wirklich eine Stachelbeere ist...

Die Rambutan gehört zu der selben Pflanzengruppe wie die Litschi und ist ihr in Aussehen und Geschmack ähnlich. Rambutans sind rundlich ovale, bis zu 5 cm große Früchte. Die rote Schale ist fest und in viele kleine Felder unterteilt. Jedes dieser Felder ist in einen langen, weichen roten oder gelben Stachel ausgezogen. Die Stacheln stehen nicht von der Frucht ab, sondern kräuseln sich um die Schale. Wegen dieser weichen Auswüchsen wird die Rambutan auch "Haarige Litschi" genannt.

Rambutans– und das hab ich im Internet gefunden... – sind leicht verdaulich und reich an wichtigen Mineralstoffen, vor allem an Calcium und Eisen, sind aber VitaminC-reicher als die artverwandten Litschi.

Ja und wie kommt man nun zu all diesen wertvollen Nährstoffen?

Wie bei der Litschi muss man zunächst die Schale öffnen. Dazu ritzt man sie mit einem scharfen Messer ein und klappt die beiden Seitenhälften auseinander. Zum Vorschein kommt das weißliche, etwas durchscheinende, saftige Fruchtfleisch. Im Inneren befindet sich ein großer, ungenießbarer Same, der von einer dünnen, bräunlichen Hülle umgeben ist, die manchmal schwer vom Fruchtfleisch abzulösen ist.

Am liebsten mögen wir die Rambutans im Obstsalat. Manchmal aber auch einfach so. Meist lutscht man dann den Kern wie einen Bonbon ab, bsi wirklich kein Geschmack mehr rauskommt.

Wenn ich mal wieder eine Portion auf dem Markt gefunden habe, dann müssen wir uns auch beeilen, sie zu verwenden. Denn sobald die Früchte an der Luft gelagert werden, verfärben sie sich bräunlich und die Stacheln werden trocken und brüchig.

Habt ihr eigentlich schon mal welche in Deutschland gesehen? Ich jedenfalls kann mich nicht daran erinnern. Und wenn, dann bezweifle ich, dass ich sie einfach aus Neugier gekauft hätte. Billig sind sie wahrscheinlich auch nicht gerade. Hierzulande bekommt man zwei für 10 Toa, also für 3 Cent. Nicht schlecht, oder?

Mahlzeit!

Ja was liegt denn da ausgebreitet zum Trocknen auf dem Geschirrtuch? Kann man das essen?

– Und ob!

Ich jedenfalls bin froh, wenn ich diese Objekte auf dem Markt finde. Nein, es sind keine Würmer! Sondern es sind Kalibnüsse. Von der Form her gleichen sie den Mandeln, sind aber, je nach Sorte, zwei bis viermal so groß. Wie bei den ungeschälten Mandeln, übergießt man sie am besten mit kochendem Wasser, um die braune Schale abzuziehen. Was mehr oder weniger einfach geht...

Die Nuss selber ist jedoch anders konstruiert wie die Mandel. Sie gleicht eher einem Kohlkopf. Man kann sie leicht auseinanderdrehen und erhält dann einzelne dünne Blättchen. Meistens lass ich die „Würmer“ jedoch ganz und schneide sie in kleine Ringe. Das sieht zum einen ganz witzig aus und ist besser zur Weiterverarbeitung: für einen Nusszopf, fürs Müsli, für Nussstreusel auf dem Eis, ...

Na, Appetit bekommen?

Leider hab ich im Internet auf die Schnelle nichts weiter zu diesen Nüssen herausgefunden. Wahrscheinlich haben sie nur im papuaneuguinesischen Volksmund die Bezeichnung Nüsse und die Botaniker schütteln darüber nur den Kopf.

Was ich noch von den Marktfrauen rausbekommen habe: Kalibs wachsen auf Bäumen. Und bis man mal zur Nuss vorgedrungen ist, muss man erst noch eine wohl sehr feste äußere Schale knacken. Diese Arbeit übernehmen zum Glück die Marktfrauen.

23 Mai 2010

Alles neu macht der Mai


Auch wir waren die letzten beiden Wochen dabei, den Eingangsbereich unseres Häuschens in Wewak zu renovieren. Bausubstanz mussten wir so gut wie keine austauschen. Auch haben wir den Vorteil, drei Baumärkte in der Stadt zu haben.

Wir haben nur zwei der über die Jahre sehr verdreckten (und anscheinend asbesthaltigen) Außenwände gestrichen; in der Hoffnung, dass die Schimmelbildung dadurch auch etwas aufgehalten und eingedämmt werden kann. Für die anderen Wände des Hauses haben wir kein OK vom MAF PNG Hausverwalter bekommen. Leider...

Danke, Wolfgang und Manuela! Ihr habt uns die insgesamt 15 Farbe, 3 Liter Terpentin und die Pinsel finanziert, die dabei draufgegangen sind!

Gestern Nachmittag, während alle vom Compound mal wieder am Wombeach schnocheln waren, haben wir die letzten Wände und Ecken unseres Häuschens gestrichen.

Morgen sind dann nur noch zwei Türrahmen blau zu streichen. Em tasol.

Wir sind echt froh, dass dieses Projekt nun abgeschlossen ist und unser Häuschen zumindest an all den weitläufig überdachten Seiten frisch und weiß erstrahlt, ausgenommen die Fenster- und Türrahmen. Die sind blau.

Bis zum Abend hatten wir die Veranda von allen Renovierungsspuren beseitigt und in ein Compound-Open-Air-Kino verwandelt, mit Popcorn und Softdrinks. Da war es auch gar nicht schlimm, dass die Kinoleinwand nur 14 Zoll in der Diagonale hatte. Der Sound hat gepasst und der Film war auch gut. Cool Runnings stand auf dem Programm. Was haben wir gelacht!

Mal schaun, wann es die nächste Vorstellung geben wird!


Kapi war auch jeden Tag zur Stelle und hat fleißig mitgeholfen. Er war wesentlich mutiger wie unsereins, auf die zum Teil doch recht wackeligen Gerüstkonstruktionen und Leitern zu klettern und die Wand zu streichen.


Kapi ist der Cousin eines Base-Mitarbeiters, der dankbar ist für diese Abwechslung und wirklich ein engagierter Arbeiter. Er ist sozusagen als „Hausboy“ mit der Familie seines Bruders hier. Morgens bringt er i.d.R. die älteste Tochter in die Schule, holt sie mittags wieder ab; schaut auch nach den beiden kleineren Kindern, hilft bei Gartenarbeiten auf dem Compound. Und da ist in letzer Zeit wirklich viel passiert!

Er war auch zur Stelle, als uns ein Stück Wiese eingefallen war. Das durchlöcherte Abflussrohr unserer Waschmaschine hat den Boden weggespült. Anscheinend wird das Abwasser hier nur irgendwie in ein Kiesbett im Boden geleitet und versickert dann. Nicht gerade sehr umweltfreundlich und mit unseren deutschen Standards nicht zu vergleichen. Kläranlagen gibt es hier nicht. In der Regel hat jedes Haus – zumindest hier im Stadtgebiet – einen Septiktank untendrunter.


So gibt es wirklich immer was zu tun, am und ums Haus. Und auch an Mathias flugfreien Tagen wird ihm nicht langweilig. Jetzt da Familie Köhler für sechs Monate in Deutschland ist, ist es nun unsere Aufgabe, die drei Pilotenhäuser auf dem Compound in Schuss zu halten und auch die Außenanlagen drumherum zu pflegen.

Da sind wir echt dankbar, dass wir ein Hausmädchen zum Putzen haben und auch die neue Familie aus dem Hochland sich so investiert. Mittlerweile wachsen zusätzlich zu den Papayas und Ananas auch Erdnüsse und Melonen auf dem Compound. Hier ist im Vergleich zu Deutschland das ganze Jahr über Pflanz- und Erntezeit.


Wir wünschen euch und uns, dass neben den essbaren Früchten unser Alltag immer mehr auch geistliche Früchte zum Vorschein bringt, die anderen Menschen zur Stärkung dienen. In diesem Sinne auch euch eine ertragreiche Pflanz- und Erntezeit!

Hausbau im Busch


Das ist Eleisha. Er „näht“ gerade eine „Dachschindel“ für sein Haus. Dazu verwendet er die sehr starken und robusten Blätter der Sagopalme, aus der auch das Grundnahrungsmittel im Flachland, das Saksak, gewonnen wird. Der Dachschindel wird anschließend in der Sonne getrocknet und aufs Dach gebunden. Die Häuser nennt man Haus Morota und sie sind tatsächlich dicht gegen Regenwasser. Ab und an konnte man jedoch den Rauch des Kochfeuers durchs Dach nebeln sehen.

Normalerweise wird im Haus Win gekocht. Das ist ein kleineres Häuschen direkt neben dem Wohnhaus. Nicht auf Stelzen und auch mit ohne Wände. Damit eben der Wind durchwehen kann. Hier im Haus Win trifft man sich auf einen Schwatz, hier wird auch gekocht – und in diesem Falle wird das Haus Win sogar noch als Kürbisbeet genutzt.

In Moropote haben wir jede Menge Hausbaustellen gesehen. Die Häuser verwettern und vermodern. Logisch, bei hundertprozent Naturmaterial. So muss man spätestens nach 5 Jahren an einen Neubau denken. Und dieser passiert ja auch nicht über Nach. Und der Baumarkt im Busch hat keine Regale mit entsprechenden Fertigteilen. Diese muss man alle selbst herstellen...


Beim Schulleiter der Bibelschule wurden wir auf eine Tasse Tee eingeladen und so hatten wir die Möglichkeit, solch ein Haus Morota auch einmal von innen zu sehen. Alles wirklich hundertprozent Buschmaterial! Die Häuser stehen in der Regel einen guten Meter erhöht, also auf dicken Holzpfosten. Komplette Pfahlbaukonstruktionen. Der Boden aufgespaltene Rinde, nicht ganz dicht – hat den Vorteil, dass beim Ausfegen der Dreck gleich durchrieselt ;o) Die Räume sind durch Zwischenwänden aus geflochtenen Grasmatten voneinander getrennt, oftmals mit einem zweifarbigen Muster. Als Zimmertür dienen Vorhänge. Die Haustür ist in der Regel massiv. Möbel sind selten. Geschlafen wird auf dem Boden auf dünnen Grasmatten oder, wer es sich leisten kann, auf einer dünnen Schaumstoffmatratze.

Das sind einige der Familienwohnhäuser der Bibelschule.

Die Bibelschule gehört zur PIM, Pacific Island Ministries, die eng mit der Liebenzeller Mission zusammenarbeitet. Hier gibt es eine zweijährige Ausbildung und anschließend wird man – je nach Berufung – zum Pastor, Evangelisten, Sonntagsschulkoordinator etc. Zurzeit studieren hier sieben Männer und eine Frau. Alle wohnen mit ihren Familien auf dem Gelände und sind auch da verantwortlich, ihr Haus in Schuss zu halten. Gestaunt haben wir über einen älteren Mann aus Okisai, wie rüstig und agil er Pfähle aus dem Busch geholt hat, um den Eingangsbereich seines Häuschens auf Zeit zu erweitern.

22 Mai 2010

Getroffen!

Kaum zu glauben, dass mit so einem hölzernen Bogen früher Stammeskämpfe ausgefochen wurden. Heute wird der Bogen nur noch zur Jagd im Busch oder im Wasser verwendet. Der Bogen besteht aus einem besonderen Hartholz. Die Hartholzbäume stehen nicht gerade um die Ecke, sondern hoch im Gebirge. Aber es darf ja auch ein bisschen Mühe und Schweiß kosten, um den besten Bogen zu bekommen. Als Sehne wird ein Stück Bambus verwendet. Erstaunlich was diese Sehne alles aushalten kann. Der Pfeil ist ein dünner Bambus-Schaft mit einer Hartholz-Spitze. Manche Spitzen sind einfach nur spitz, andere Spitzen bestehen eigentlich aus drei und werden für den Fischfang verwendet. Und wieder andere Spitzen sehen aus wie ein kleines Paddel und werden aus geschliffenen Bambus-Schalen hergestellt.

Und wie geht man mit so einem Bogen um? Der Bogen wird mit der linken Hand so gehalten, dass der Zeigefinger den Pfeil umschließt aber nicht festhält. Die rechte Hand zieht mit Mittel- und Ringfinger die Sehne zurück und Daumen und Zeigefinger halten das Ende des Pfeiles fest. Mit viel Kraft wird wird die Sehne gespannt und das Ziel anvisiert.

Zack! Bum!

Und getroffen ergibt sich die Kokosnuss in fünf Meter Entfernung - kampflos.
Und wie macht man einen Bogen transporttauglich? Indem man mit den Knie den Bogen beugt und die Sehne löst. Ganz einfach!

21 Mai 2010

Kukim na kaikai Saksak

Das ist ein Urwaldtopf. Hundertprozent Natur. In diesen Töpfen wurde auch das Saksak aufgefangen. Anscheinend waren diese Töpfe sogar feuertauglich. Jedenfalls erzählte man uns, dass die Tumbunas, also die Vorfahren, damit früher auch über dem Feuer gekocht haben. Wahrscheinlich nicht allzuoft pro Topf... Allzulang dürfte das noch nicht her sein. Heute haben die Leute im Busch Alutöpfe.

Hier seht ihr Ester, wie sie ein Bananenblatt über dem Feuer desinfiziert. Zwei davon legt sie dann in eine Bratpfanne und bröselt trockenes Saksak darauf.

Damit das Ganze auch noch etwas Geschmack bekommt – Saksak als solches schmeckt fast nach gar nix – kommt noch das Innere einer Urwaldfrucht darüber. Einen Namen für diese rote Frucht konnte sie uns nicht nennen, Frut bilong bush, em tasol.

Dann wird alles in den Bananenblättern eingeschlagen und verpackt und aufs Feuer gestellt. Obenauf kommen noch heiße Steine. Freiluft-Ober-Unterhitze-Backen sozusagen ;o)

An diesem Tag ist das das Abendessen der Familie.

18 Mai 2010

Wokim Saksak

Freitagmorgen wollen wir mal den Unterricht in der Bibelschule besuchen. Diese liegt auf der anderen Seite des Flusses.

Wir sind später dran als geplant. Nun ja. Ausschlafen tut auch mal gut! ;o)

Als wir zum Fluss kommen, sehen wir zwei Frauen und eine Handvoll Kinder. Auf dem Kiesbett des Flusses liegen die Blätter einer umgehauen Sagopalme. Diese werden später zu Dachschindeln verarbeitet. Dazu ein ander mal mehr...

Jetzt geht es erstmal um das Innere des Baumstammes: Zwei Frauen wechseln sich ab, das Mark der Sagoplame kleinzuhacken. Vorher musste natürlich erstmal die Rinde längs des Baumstammes gespalten werden, um das rosaorangene Mark freizlegen. Mit ihren selbstgemachten Steinäxten arbeiten sie sich so mühevoll den Stamm entlang.

Die Späne werden auf Rindenteilen oder in Plastiksäcken gesammelt.

Wir gehen derweil zur Bibelschule. Eine Brücke gibt es nicht. Also waten wir durch das erfrischende kühle Nass.

Wir setzen uns in die Klasse und hören eine Einheit zu den Gemeinsamkeiten und Unterschieden im Glauben der Siebentags Adventisten. Wir lernen auch noch was!

Das Zuhören wird etwas erschwert durch den aufs Wellblechdach trommelnden Regen.

Nach der Lektion ist Pause. Zeit, unsere kleinen Mitbringsel zu verteilen und ein wenig ins Gespräch zu kommen, wie unterschiedlich Glauben in der Öffentlichkeit, in den Medien und in den Schulen gelebt wird, vergleicht man Deutschland und Papua Neuguinea.

Durch den zwischenzeitlichen Regen ist uns dann auch der Rückweg durch den Fluss unmöglich. Jetzt kommt braune Brühe und der Wasserstand ist auch beträchtlich angestiegen. Wir bleiben also noch diesseits des Ufers.

Auf der anderen Flussseite sind die Frauen schon beim nächsten Arbeitsgang: dem Auswaschen der Sagospäne in selbstgezimmerten Vorrichtungen aus dem, was im Busch zu finden ist.

Der Leiter der Bibelschule lädt uns derweil zu einem Tee in sein Haus ein. Auch interessant, so ein typisches Buschhaus mal von innen zu sehen!

Der Regen lässt nach und so auch der Wasserstand. Auch die Klarheit des Wassers kehrt zurück, sodass wir uns auf den Heimweg machen können.

Die Frauen sind noch immer damit beschäftigt, das Sago zu waschen und tragen nach und nach die Sagospäne zur Waschstelle.

Die Rinne wird gefühlt mit den Spänen und mit Flusswasser übergossen. Dieser Brei wird dann mehrmals durchgewalkt, bevor er durch einen Stofffetzen ein letztes Mal ausgedrückt und über die Rinne geschmissen wird.

Aufgefangen wird das ganze wieder in einer Wanne aus Buschmaterial. Darin setzt sich die ausgewaschene Stärke ab. Überschüssiges und nachlaufendes Wasser fließt ab. Em tasol. Das wars. Danach gilt es nur noch, die vollen Urwaldtöpfe heimzutragen. Das reicht dann ein paar Tage. Um die Gestelle und die ausgewaschenen Sagospäne kümmert sich die Natur...

Gelagert wird das Sago einfach in Plastiksäcken oder auch Schüsseln in Hausnähe. Dort holt man sich, was man zum Kochen braucht. Wie gekocht wird, erfahrt ihr in einem nächsten Blogeintrag. Aber der muss erst noch geschrieben werden ;o)

16 Mai 2010

Vanille

Was haben Vanille und Menschen gemeinsam?

Nach der Befruchtung dauert es neun Monate, bis eine Vanilleschote geerntet bzw. ein Baby geboren wird. Da mussten wir staunen!

Bei der Vanille muss man sich außerdem künstlicher Befruchtungsmethoden bedienen. Die Blüten, die in der Regel nur ein oder zwei Tage offen sind, befruchtet man am besten in der Morgenzeit. Dazu braucht man ein dünnes Stäbchen oder einen stabileren Grashalm. Dann holt man vorsichtig ein kaum stecknadelgroßes Kügelchen aus einem Teil der Blüte und versetzt es in den Blütenkelch. Em tasol. Die Schwierigkeit dabei ist außerdem, dass einem das Kügelchen nicht runterfällt. Es ist unwiederbringlich verloren. Verpasst man diesen Befruchtungszeitpunkt, fallen die Blüten ab und es wächst keine Frucht. Man muss im Prinzip täglich seine Runde drehen im Vanillegarten und schauen, wo es Blüten gibt.

Vanille braucht einen sonnigen Standort. Sie wächst in langen Schlingen, die sich um einen Baum winden. Man muss deshalb immer schauen, dass sie in erreichbarer Höhe sich auf- und abwinden und so um den Baum drumherumwachsen.


Nach der Ernte müssen die Bohnen im Haus ersteinmal ein paar Tage lagern, am besten in einer Plastiktüte, und vor Sonneneinstrahlung geschützt werden. Erst dann werden sie braun. Danach soll man sie 2-3 Wochen täglich eine Stunden in die Sonne legen, um sie bis zu 30% auszutrocknen. Danach sind sie verkaufsfertig.

Mandy liebt Vanille! Ob Obstsalat, selbst gemachte Vanillesoße, Kuchen, Kokosmakronen, Marmelade – unser Verbrauch ist ordentlich. Der ein oder andere von euch, holte diesen Duft ja auch schon aus seinem Briefkasten ;o)

Manchmal bekommt Mathias ein Päckchen Vanille geschenkt, wenn er irgendwo landet. Einfach als kleines Dankeschön und Anerkennung, dass er mit dem Flugzeug ins Dorf kommt, die Menschen reisen können, Handel treiben können, ins Krankenhaus können, Manchmal wird es ihm zum Verkauf angeboten. Preislich nur ein Bruchteil dessen, was wir in Deutschland dafür zahlen. Für die Arbeit, die dahinter steckt, eigentlich beschämend wenig.

Auch in Moropote klopfte es eines Abends an die Tür, ob wir Interesse an Vanille hätten. Logisch! So kam Timothy am andern Morgen und bot uns zwei Bündel Vanille an. Mathias prüfte die Qualität: ein Bündel war gut getrocknet, das andere noch recht feucht. Aber dennoch: wir kauften ihm beide ab. Und nun trocknen wir die Vanille täglich noch eine Stunde auf unserer Veranda.

Vor Jahren hat der Vanilleexport in PNG wirklich geboomt. Aber einige Vanillebauern haben lange Nägel in die Vanillebohnen getan, um das Gewicht künstlich zu beeinflussen. Das ging nur kurzfristig gut. Wurden früher 800 Kina für ein Kilo Vanille gezahlt, sind es heute nur noch 80 Kina (ca. 25 Euro).