24 März 2010

Unterwegs auf dem Sepik




Mal ganz persönlich: So hundert Prozent Entspannung kam bei mir, Mandy, auf dieser Einbaum-Sepik-Tour dann doch nicht auf. Jetzt in der Regenzeit ist der Sepik sehr breit und fließt mit einer wirklich hohen Strömung dahin; in engen Flusskehren entstehen sogar größere Strudel. Unsere Gastgeber in Ambunti meinten, dass der Sepik in der Trockenzeit bei ihnen mindestens 12-15 m tiefer dahinfließt.

Außerdem ist da, wo man vom Boot aus das Ufer sieht, nicht wirklich trockenes Land...

Diese Einbaum-Kanus gibt es in allen Größen, sogar unterschiedliche für Männer und Frauen. Und sie können wirklich richtig groß sein: die PIM hat eines, auf dem sie 18 Spritfässer liegend transportieren – so kommt u.a. auch der Sprit für den Airvan nach Ambunti!

Wer es sich leisten kann oder ein kleines Transportunternehmen hat, hat einen Motor an seinem Einbaum. Viele Menschen sind jedoch nur mit Paddel unterwegs, sitzend oder stehend...

Hut ab vor den Menschen dort, die tagein tagaus auf das Kanu angewiesen sind. Will man zum Beispiel von Ambunti nach Wewak, sitzt man auch erstmal 6 Stunden im Einbaum und das des Nachts um 1 Uhr, damit man in der Früh gegen 7 die Stadt erreicht, von der aus es im PMV weitere 4-6 Stunden nach Wewak geht, je nach Straßenzustand und Fahrstil... Mit dem Flugzeug sind es 40 sehr komfortable Minuten!


Anmerkung zum letzten Foto: Das Breite ist der Sepik. In den Seitenarm sind wir abgebogen und dann durch das sog. Raunwara zu dem Hügel weiter hinten gefahren.

Mit dem Einbaum nach Yalaku






Am Sonntagmorgen sind wir kurz nach 7 Uhr in den Einbaum gestiegen, um zwei Stunden später mit einem platten Hintern in Yalaku wieder auszusteigen. Wir sind von Ambunti zuerst den Sepik flussabwärts gefolgt und dann in einen Seitenfluss abgebogen, durch ein sog. Raunwara (denkt wieder mal ein wenig englisch...) dann irgendwann tatsächlich am Dorf angekommen. Unsereins fragte sich ständig, wie man da bloß die Orientierung behalten kann und weiß, durch welche Schilfinseln ein Weg führt. Einmal sind wir dann tatsächlich hängen geblieben. Der eigentliche Durchgang war wohl zugeschwemmt und nun musste ein neuer gesucht werden. Mit ein wenig Muskelkraft und durch Zuhilfenahme der Paddel, konnten wir uns wieder freistoßen.

In Yalaku angekommen, hörten wir schon die Kirchentrommel schlagen. So wusste das Dorf dann auch, dass es Zeit war, sich auf den Weg zum Gottesdienst zu machen.

Wir durften uns alle vorstellen und Mathias hat dann auch kurz erzählt, wie er Pilot wurde und nun in PNG für MAF fliegt. Das Dorf Yalaku hat er schon oft überflogen. Hannes predigte sehr anschaulich und während wir dann nach dem Gottesdienst im Dorf noch ein wenig raun raun gingen, wurde für uns sogar ein kleines Mittagessen gekocht: Kumu, Kaukau und Kochbanane in Kokosnussmilchsuppe. Lecker!!! Zum Nachtisch noch richtige Bananen.

Zu unserer aller Überraschung bekamen wir einer nach dem anderen noch ein Hühnerfeder-Bilum geschenkt!

Die Menschen in Yalaku sind alle sehr freundlich. Ein älterer Mann sagte uns auch, dass er immer für die Piloten bete, die er tagein tagaus über den Sepik fliegen sieht.

Im Gespräch mit einer anderen Gruppe stellt sich heraus, dass in PNG Kleinkinder bzw. Babys sogar am Straßenrand verkauft werden. Eine der Familien in Yalaku kaufte für 700 Kina am Wewak-Sepik-Highway vor einiger Zeit ein Kind. Wahrscheinlich wird das Kind nun in dieser christlichen Familie besser umsorgt als in seiner Herkunftsfamilie. Trotzdem, das ist ja Menschenhandel.

In der knalligen Sonne ging es dann wieder zurück per Einbaum nach Ambunti, Sonnenbrand inklusive! Leider war es uns nicht vergönnt, einen Blick auf ein Sepik Pukpuk zu werfen. Puk puk? Das ist Tok Pisin für Krokodil.

Tanim Saksak





Mit unseren zwei deutschen Besuchern haben wir das Wochenende in Ambunti, auf einer Missionsstation der PIM (Pacific Inland Mission) verbracht. Auf der Station ist zzt. eine Familie aus dem Schwarzwald. Der Mann arbeitet dort als Schreiner und ganz oft sind Caro, Hannes und ihr kleiner Sohn auch unterwegs in den Dörfern am Sepik, um Gemeinden zu besuchen, Gottesdienste oder Jugendcamps zu gestalten.

Am Samstagnachmittag waren wir im sog. Esta Kemp. Dort haben wir Esta und ihre Großfamilie besucht und vieles Interessante gesehen und gelernt.

Eine ihrer Schwestern hat Tanim Saksak gemacht. Das ist ein Grundnahrungsmittel für viele Papua Neuguinesen und wird aus dem Mark der Sagopalme hergestellt. Zuerst wurde das trockene Sagomehl mit heißem Wasser aufgerührt und so verflüssigt. Die Schüssel füllte sich so nach und nach und kurz vorm Überlaufen, von einem Moment zum anderen, stockte die ganze Masse zu einem silikonartigen dicken Brei.

Danach wurde die Masse um zwei Stäbchen aufgewickelt und von den Stäbchen auf in zuvor in heißem Wasser getunkte Blätter portioniert. Deshalb auch der Name Tanim Saksak (Tok Pisin: tanim ... Englisch: turning)

Für uns wurden wohlweislich kleinere Portionen gemacht... Wie hat es geschmeckt. Nun ja... eigentlich nach fast gar nichts. Normalerweise gibt es auch noch Kumu dazu, also irgendein gekochtes Grünzeug oder auch Fleisch. Saksak essen die Menschen im Busch so wie wir Nudeln oder Reis oder Kartoffeln essen. Nur wir kaufen das alles schnell im Supermarkt. Saksak aus dem Mark der Sagopalme herzustellen ist wirklich Knochenarbeit!

Nach dem Fliegen ist vor dem Fliegen

Freitagnachmittag. Mathias war den ganzen Morgen unterwegs und checkt auf dem Flügel den Treibstoffvorrat für unseren Weiterflug nach Ambunti, wo er aber auch nur als Passagier in der zweiten Reihe sitzen wird.

Aber halt! – Was qualmt denn da?

15 März 2010

Dienstbesprechung

Der Samstag war für die Planung reserviert: unser Besuch wird nächste Woche verschiedene Landeplätze besuchen und vermessen. Landeplätze in PNG verändern sich mit der Zeit: ein Fluss schwemmt die Schwelle weg und damit unser Wissen über die verfügbare Start- und Landelänge. Ein anderer Flugplatz wird vom Urwald überwuchert. Da gilt es den Anflugsektor zu überprüfen, ob Baumwipfel den Flugzeugrädern zu nahe kommen oder nicht. Wir müssen die Länge, die Breite, das Gefälle und die Neigung messen und daraus Beschränkungen für das maximale Startgewicht herleiten. Ingenieursarbeit eben. Unser Besuch hat sich entsprechend vorbereitet und freut sich darauf. Wir sind alle gespannt, was die Woche bringt und wie das Projekt in der Woche läuft. – Hoffentlich gut!

Medevac


Ich bin zur Zeit sehr beschränkt, was die Routen und Landeplätze angeht, die ich fliegen bzw. anfliegen darf. So kommt es, dass ich derzeit „nur“ ein bis zwei Tage pro Woche fliege. Am Freitag war wieder „mein“ Flugtag. Unter anderem musste junger Bub mit einer Entzündung im Unterleib dringend ins Krankenhaus. Der Junge konnte nicht mehr sitzen, so habe ich ihn auf eine Matte ins Flugzeug gelegt und mit einem Gurt gesichert. Sein Vater hat ihn begleitet.

Offenheit

Mit Philipp Sutter habe ich am Montag noch einen Einweisungsflug auf einer neuen Strecke gemacht: Vanimo - Amanab. Unser Flugzeug wurde von einer Dorfgemeinschaft im Busch gechartert um einen Sarg zu transportieren. Das Mulmige bei diesem Flug war, dass der Sarg aus 4 mm Sperrholz zusammengenagelt war und der Deckel sich einen kleinen Spalt löste. Da kommt schon die Frage, was man sieht, wenn der Deckel ganz abspringt...

Sehr beruhigend war die Aussage, dass der Leichnam zusätzlich in einem Sack steckte. Überprüft habe ich das nicht, aber vielleicht hätte ich es sollen...?

Von Montag auf Dienstag habe ich in Vanimo übernachtet: Ein einheimischer Missionar der Evangelischen Brüdergemeinde EBC hat uns freundlich empfangen. Eine einfache Bretterbude mit zwei Sofagestellen ohne Sitzauflagen war genug um zusammen zu sitzen und zu reden. Der Missionar hat ein offenes Haus und missioniert unter Indonesiern, die über die nicht weit entfernte Grenze nach Vanimo kommen um Geschäfte zu machen. Hier gibt es für uns Piloten immer eine offene Tür und eine Matratze unter einem Moskitonetz, falls wir einen Rückflug nach Wewak nicht mehr schaffen sollten.

Dachschaden


Immer noch Regenzeit! Unser Besuch hat ein wenig Pech, denn immer an den freien Tagen und auch jetzt am Wochenende war es eher trüb und zuweilen auch regnerisch.

Geregnet hat es auch, als gerade unser Dachschaden repariert wurde, das Dach offen war und die Arbeiter in der Mittagspause waren bzw. gerade die fehlende Wellblechplatte organisierten. Um ein größeres „Unwetter“ in unserem WC zu verhindern, haben Mathias und Friedrich das Loch mit einer Plane abgedeckt. Nach insgesamt fast 3 Tagen Arbeit ist unser Dachschaden nun repariert und der Wassertank sitzt nicht mehr auf einem maroden Holzgestell, sondern auf einem aus Metall.



Auch neue Fenster haben wir nun dank Mithilfe unseres Besuchs. Jede einzelne der fast 40 Scheiben im Wohn-Esszimmer musste auf die passende Länge geschnitten bzw. gebrochen werden. Jetzt fehlen nur noch 12 Gläser im Küchenfenster.

Nach getaner Arbeit ging es dann noch für eine schnelle Abkühlung an den Stadtstrand. Für unseren Besuch das erste Mal Schwimmen und Schnorcheln im Pazifik.

Ansonsten haben sich die beiden unermüdlich auch an der Base nützlich gemacht, das Flugzeug gewaschen – oder sollte man besser sagen poliert?! – die Werkstatt am Flugplatz nach deutschen Standard aufgeräumt und gesäubert und noch manchen anderen Handgriff mehr.

Am Mittwoch konnte der erste der beiden auch mal mitfliegen. Wie er das erlebt hat, schreibt er selbst auf seinem Blog. Schaut einfach weiter unten auf unserem Blog (Eintrag vom 1.3.), dort findet ihr einen entsprechende Link zu deren Blog.

07 März 2010

Wartezeit


Gestern kam also unser erster Besuch aus Deutschland. Gegen 17 Uhr sollte die Maschine in Wewak landen. Wir wunderten uns, dass noch keine Autos am Flugplatz waren, schließlich passen in so eine Foker 100 ja doch eine ganze Menge Leute rein. Wir fragen also das Sicherheitspersonal am Flugplatz, wann denn die Maschine landen wird. Okay, noch eineinhalb Stunden Zeit. Was tun? Zurück zum Compound fahren? Oder die Zeit nutzen, den sog. Airport Beach zu erkunden? Letzteres war natürlich die attraktivere Option. So fuhren wir also noch ein Stück der Straße weiter, eine Teerstraße, die wirklich direkt am Meer entlangführte, auf der anderen Seite oft Sumpfland. Wann die wohlgebaut wurde? Irgendwann haben wir eine geschickte Parkbucht gefunden, um noch einen Spaziergang am Strand entlang zu machen. Wir staunen nicht schlecht, als sich ein verrostetes Fahrzeugwrack ans andere reiht. Schweres Gerät, Baumaschinen, Kettenfahrzeuge. Komplett mit Motorenblöcken. Alles reihenweise am Ufer entsorgt. Wir fragen uns, ob das noch aus der Zeit des 2. Weltkriegs stammt, als die Japaner hier an der Nordküste stationiert waren, Landeplätze gebaut haben und eventuell auch diese Uferstraße. Anscheinend haben sie sie dort entsorgt, um gleichzeitig die Straße vor den Wellen zu schützen...

Am Ende ist noch immer ein Militärstützpunkt. Mittlerweile einer von PNG Militär.

Unser Besuch landete dann auch irgendwann. Sie haben noch einen kleinen PNG-Küstenrundflug gemacht: von Port Moresby ging es nach Madang, dann nach Vanimo und dann nach Wewak. Von der Landung in Vanimo wussten wir nichts, auch unsere zwei Männer nicht. Sie sind nämlich in Vanimo schon mal ausgestiegen und wunderten sich, dass alles so anders aussah wie auf den Googlebildern, die Landebahn anders augerichtet war... Da mussten sie dann doch mal nachfragen und – sind wieder eingestiegen ;o)

03 März 2010

Tsunami-Warnung für den Pazifik

Vergangenen Samstag gab es nach dem Erdbeben bei Chile eine Tsunami-Warnung für den gesamten Pazifikbereich. Unsere Nachbarn, Familie Köhler, sind Samstagabend 11 Uhr von anderen Lutheraner Missionaren auf Karkar (Insel nordöstlich von Wewak) deswegen aus dem Bett geklingelt worden.

Dann haben sie auch registriert, dass ihr Handy auch eine entsprechende Warnung empfangen hatte. Sie haben sich ein Tsunami-Warnungs-Abo von einem Tübinger Institut eingerichtet http://www.tsunami-alarm-system.com/ Da bekommt man dann umgehend eine entsprechende SMS zugesandt.

Wir werden das wohl dann auch investieren, sobald die Köhlers weg sind und uns angewöhnen, das Handy immer anzuhaben. Unser Compound liegt ja so weit nicht vom Meer entfernt... Wenn ihr auf dem Bild schaut:

an der großen Hauptstraße oberhalb gelegen und dann in dem Eck, wo die kleine Straße wieder abzweigt. Silbergraue Umzäunung. Das rotbedachte Haus ist schon der Nachbarcompound. Unser Haus ist das, was scheinbar ums Eck geht. Der Querbau zur Straße hin das sind wir. Der Teil, der nach oben weggeht, ist ein alter Schuppen, der ziemlich nah an unserm Haus steht. Da haben wir unter anderem unsere Tonnen untergestellt. Die Köhlers auch.


Als wir Sonntags in der Boutique zum Essen und Relaxen am Pool waren, haben wir uns schon gewundert, warum so wenig los war, niemand von New Tribes Mission da war. Wie wir erfahren haben, hat der Stationsleiter alle Autoschlüssel eingesammelt, damit niemand deren Compound verlässt, eben wegen der Tsunami Warnung. Der NTM-Compound liegt am anderen Ende der Stadt auf einem Hügel, also tsunamitechnisch sehr sicher.

Die Boutique liegt auf dem Hügel, den ihr noch links im Bild erkennen könnt. Das sind dann so die höher gelegenen Rettungsplätze im Fall der Fälle, wo wir hinkönnen. Dumm nur: auf dem Weg zur Boutique fährt man ziemlich nah am Meer vorbei, wie ihr auf dem Foto sehen könnt... Zu NTM hat man mehr Abstand und wir würden dann wohl eher bei denen ans Gate klopfen...

Wir hatten am Sonntag und auch bis heute ziemlich hohe Wellen. Aber das lag wohl an dem zzt. recht unbeständigen Wetter. Also der Tsunami wars wohl nicht, der hier ans Ufer geschlagen hat. Aber man spricht wohl schon von einem Tsunami, wenn der Wasserstand sich aufgrund eines Seebebens auch geringfügig nur verändert. Nicht immer ist damit eine Katastrophe oder Gefahr verbunden, haben wir gelernt.


Weil wir schon beim Thema Meer sind... Gestern lag hier im Hafen ein riesiges Kreuzfahrtschiff an. Das kommt wohl aller halbe Jahr mal vor. Von HappagLoyd. Claudia und ich haben unsere Männer zum Flugplatz gefahren und da haben wir uns schon über die viele Bleichgesichter gewundert, die da so schick und mit dicken Kameras am Straßenrand liefen...

Bei einem Zwischenstopp bei NTM – unsere Männer sind derweil schon in die Luft gegangen... – haben wir die Info bekommen, dass deshalb extra ein Markt mit Souveniers sich da an der Straße zum Hafen bildet. Na da müssen wir doch gleich mal hin!

Und da treffen wir doch tatsächlich "Wantoks" von Claudia. Ein Apothekerehepaar aus Franken, aus einem Städtle, wo Claudia auch mal an einer Schule unterrichtet hat. Kurzerhand schenken sie den Kids ein kleines Tütchen Lindt-Schokolade, die es wohl als Betthupferl immer aufm Schiff gibt...

Und es dauert nicht lang, da wimmelt es nur so von Franken und anderen Bleichgesichtern. Die Busse aus der Stadt trudeln wieder ein. Und auf einmal sind wir umringt von vielen Weißen. Ein ganz komisches Gefühl so mittlerweile ;o) Den Einheimischen Marktleuten und Schaulustigen gefällt das und sie freuen sich mit uns, dass wir unsere Wantoks hier in PNG treffen. Aber zuweilen ist es schon schräg, was die reichen Deutschen uns für Fragen stellen: Wir hätten doch sicher einen Swimmingpool in unserm Garten?! AUf der anderen Seite sind sie seltsam irritiert, als Claudia sagt, dass sie ihre Kinder nicht in die hiesige Schule schickt...

Jedenfalls wundern wir uns, dass sie bei einer Muschelkette für 50 Cent immer noch um den Preis verhandeln wollen, obwohl ihnen die Diamenten von der Brille blitzen.

Wir selbst haben auch ein wenig eingekauft, grad noch vor den Touris, die v.a. auf die Masken scharf sind. Masken kommen bei uns nicht ins Haus, da sie in der Regel irgendeinen spiritistischen Hintergrund haben. Ich habe einen schönen Speer gekauft und 2 Muschelketten, die über Hals und Schulter gehängt werden und beim Tanzen entsprechend klimpern. Und das Wechselgeld hab ich bei den Marktfrauen in Dollar getauscht. Weil wenn diese mit ihrer Handvoll Touristen-Dollars zur Bank gehen, dann sind die Gebühren so hoch, dass sie noch draufzahlen müssen. So waren am Ende alle glücklich! ;o)

01 März 2010

Besuch aus Deutschland

Kommenden Freitag werden wir zwei Freunde hier am Flugplatz abholen, die uns für 3 Wochen besuchen kommen. Sie haben extra selbst einen Reise-Blog eingerichtet. Schaut selbst und verfolgt ihre Reise mit!

http://maf-visitors-png.blogspot.com

1. Alleinflugtag

Vergangenen Freitag hatte Mathias seinen ersten Alleinflugtag und das war spannend...

Mein eigentlicher erster Alleinflug ist noch ein bisschen länger her. Aber am vergangenen Freitag war ich den ganzen Tag ohne Fluglehrer unterwegs. Es ist sehr seltsam, allein im Cockpit zu sitzen. Ich kann mich kaum noch daran erinnern, wie ich vor dreieinhalb Jahren in Deutschland als Privatpilot geflogen bin. Die Fliegerei bei MAF in PNG hat wenig mit der Fliegerei in Deutschland gemeinsam. Es gibt eine Menge mehr Regeln und Standards, für deren Einhaltung ich jetzt allein verantwortlich bin. Da gibt es zum einen die Luftfahrtgesetze von PNG und zum anderen die MAF-Vorschriften. Ich befürchte, dass es noch eine ganze Zeit dauern wird, bis ich mich allein im Cockpit wieder so wohl fühle wie damals als Privatpilot in Deutschland.

Meinen ersten richtigen Arbeitstag als GA8-Kapitän begann ich auf einem Flugzeug, dass ich bisher nicht geflogen bin. Es war auch eine GA8, wie mein Trainingsflugzeug, aber ca. ein halbes Jahr jünger. Aber jünger heißt nicht, dass das Flugzeug automatisch besser ist. Schon beim Motorstart gab das elektronische Motoranalysegerät eine Fehlermeldung aus: ein Temperatursensor tut nicht mehr. Nicht besonders schwerwiegend und ich mache weiter. Wenige Minuten später mache ich den Motor-Testlauf, der vor jedem Start vorgeschrieben ist. Ich entdecke eine kleine Unregelmäßigkeit im Zündsystem des Motors, die ich nicht richtig einschätzen konnte. Wieder entscheide ich mich weiterzumachen und rolle auf die Startbahn zum Starten. Während ich rolle, möchte ich Details an die Flugsicherung funken und entdecke, dass meine Funksprüche nur undeutlich bei der Flugsicherung ankommen. Das Maß ist voll und ich breche den Start ab, um zurückzurollen, die Passagiere aussteigen zu lassen und mit Martin zusprechen. Martin hat das Flugzeug noch einen Tag zuvor geflogen. Die Unregelmäßigkeiten sind ihm ebenfalls aufgefallen, aber er hielt es für normal. Trotzdem beschließen wir die Mechaniker in Mt. Hagen anzurufen.

Der verantwortliche Mechaniker ist nicht erreichbar, vermutlich in einer Besprechung. Ein anderer Mechaniker hört sich den Bericht an und vermutet eine Kleinigkeit, mit der wir ohne weiteres fliegen können, aber ich soll die Unregelmäßigkeiten beobachten.

Ich fliege also zum ersten Mal allein mit einem Flugzeug, dass nicht ganz in Ordnung ist...


Auf meinem Flugprogramm steht ein Passagiertransport von zwei Männern nach Nuku. Im Frachtraum sind medizinische Nachschubpakete für staatliche Gesundheitsposten in Magleri, Edwaki und Wokien, meine nächsten Ziele. Alles muss schnell gehen. Jetzt, da ich allein bin, muss ich Entladen, Papierarbeit und Beladen so schnell wie möglich erledigen. In Lumi hole ich vier Männer ab, die zurück nach Wewak möchten. Wir landen in Anguganak und tanken noch mal ein paar Liter nach, dann geht es nach Wewak. Kurz nach dem Start funkt mich ein anderer Pilot von New Tribes Mission an, dass es in Wewak heftig regnet und er es gerade noch geschafft hat, auf dem Flugplatz zu starten. Mein Flug dauert immer noch 50 Minuten, und so bin ich dankbar für die Meldung aber auch gespannt, wie sich das Wetter in den nächsten Minuten verändert. Es passiert oft in der Regenzeit, dass ein Regenschauer über dem Ziellandeplatz herunter geht und häufig hat es ausgeregnet, wenn wir in der Nähe des Landeplatzes sind. Doch was, wenn es anders kommt? Ich lege mir schon meine Ausweichlandeplätze zurecht und bereite mich auf einen Schlechtwetter-Tiefanflug auf Wewak vor. Aber als es soweit ist, hat der Regen aufgehört und Wewak liegt in der Sonne. So konnte ich die vier Passagiere sanft auf der Piste von Wewak aufsetzen und meinen ersten Alleinflugtag beenden.


Während ich flog, hat Martin weiter mit dem Mechaniker und dem Seniorpiloten über die Unregelmäßigkeiten der Maschine diskutiert. Das Ergebnis war, dass die Maschine nicht mehr im normalen Betrieb eingesetzt werden darf, bis ein Gerät im Motor getauscht oder richtig eingestellt ist. Weil wir Piloten das nicht selber machen dürfen, wird am Montag ein Mechaniker mit Ersatzteilen nach Wewak gebracht, der unser Flugzeug reparieren soll. Die Reparatur soll nicht lange dauern und schon am Nachmittag soll die Maschine wieder bereitstehen. Ich bin gespannt.