12 Juni 2013

Es stinkt nach Fisch!


Gestern hatte ich, Mandy, die Möglichkeit einer Betriebsbesichtigung der in Wewak ansässigen Thunfisch-Fabrik. Sie ist zzt. noch Wewaks größter Arbeitgeber mit ca. 1400 Beschäftigten. Da weiter Inlands mehr und mehr Ölpalmenfelder angelegt werden, ist damit zu rechnen, dass eines Tages die Ölpalmenindustrie hier zum größten Arbeitgeber wird. 
Die Thunfischfabrik wurde im Jahr 2000 in Wewak gebaut. Der an der Werft angelieferte – tiefgefrorene – Fisch wird hier soweit verarbeitet, dass am Ende 5,4 Kilo sauberen Thunfisches in einem vakuumverpackten Plastikschlauch – wiederum tiefgefroren – an der Werft wieder auf Schiffe verladen und nach Amerika und Europa geliefert werden, wo er dann weiterverarbeitet. Der Fisch wird in PNG-Gewässern gefangen, jedoch nicht gleich hier vor der Küste Wewaks, sondern v.a. weiter östlich in den Gewässern Richtung der Solomon Inseln.
Es war echt interessant zu sehen, wie die Produktion hier in Wewak abläuft! 
Hier ein kleiner fotografischer Rundgang, geruchslos...  ;o)

In dieser Halle kommt der Fisch an und
wird von den Leuten am Förderband entsprechend der Größe in die Container geschmissen. 

Mit bloßen Händen wird hier gearbeitet.
Ich meinerseits habe mich schon oft genug an gefrorenen Fisch geschnitten.
Wie schaffen das die Leute bloß? 8 Stunden am Tag!

Fisch der gleichen Größe für die Weiterverarbeitung zu haben, hat den Vorteil,
dass man sicher sein kann,dass alle Fische gut durchgekocht sind.
Und alles, was kein Thunfisch ist, wird aussortiert und kommt ins Mittagessen.
Alle Arbeiter bekommen eines pro Tag kostenfrei. Gute Sache!


Der Größe nach sortiert, werden die einzelnen Container im Kühlhaus gestapelt, bis sie dann weiter verarbeitet werden. Und – es ist definitiv der kälteste Ort in Wewak: Das Kühlhaus hat -18ºC!  Man erlebt also mal schnell einen Temperatursturz von ca. 50ºC verglichen mit der normalen täglichen Außentemperatur.
Für die Weiterverarbeitung müssen die Thunfische dann erst mal aufgetaut werden: 



In dieser Anlage wird der Fisch aufgetaut. Und das stinkt!!!

Nach den Auftauen werden die Fische auf Gitterroste gelegt und in großen rollbaren Trolleys gestapelt. So kommen sie in den „Kochtopf“. Und der sieht aus wie ein großer Frachtcontainer.
Danach wird er also gekocht und mittels einer Sprenkleranlage wieder abgekühlt. 
Damit der Fisch danach nicht austrocknet, ist der Zwischenlagerraum auch sehr sehr feucht gehalten. Und dann kommen die Fische in die Halle mit den meisten flinken Händen und werden von Haut und Gräten und Innereien befreit: 



Fertig zum Putzen!


Zuerst kommt die Haut und der Kopf ab und auch die Innereien kommen raus.


Fertig geputzt, kommen die Fische aufs Fließband.

und werden entgrätet.

Hier wird das dunkle Fleisch um die Mittelgräte rausgeschabt.

Das geht alles ziemlich flott, wenngleich der Firmenchef, ein Phillippini, meinte, dass verglichen mit seinem Heimatland, die Produktivität bei den Arbeitern und Arbeiterinnen in Wewak nur bei 70% liegt.
Jedenfalls kommen hier nun die Gräten raus und pro Fisch werden dann vier Viertel Thunfischfilet aufs oberste Fließband gelegt.
Wer von euch schon mal einen richtigen Thunfisch zerlegt oder gegessen hat, also nicht nur das Filet an der Kühltheke gekauft hat..., der weiß vielleicht, dass sich neben dem hellen Fleisch auch ein schmaler Streifen dunklen Fleisches durch den Fisch zieht. Dieses dunkle Fleisch wird an dieser Stelle auch weggeputzt, jedoch extra gesammelt.


Fertig verpackte, vakuumierte 5,4 Kilo Thunfischfilets.
Das ganze passiert an sechs Fließbändern. Am Ende des Bandes werden die Fischfilets dann in die Plastikschläuche gepresst und vakuumiert. Bevor sie dann zum Schockfrosten kommen, muss jeder Schlauch durch den Metalldetektor.



Schockfrostanlage

Eintüten des dunklen Fischfleisches.

An einem kleinen Tisch im Hinteren der großen Halle wird nun auch das dunkle Fleisch noch eingetütet. Große Gräten werden noch aussortiert. Aber logisch, hier sind immer noch genug drin. Nun ja.
Jedenfalls kommen diese Tüten nicht nach Europa oder Amerika, sondern sie werden an eine Fischfabrik in Madang weiterverkauft. Dort kommt ein wenig Öl dazu und ab in die Dose damit. Das ist PNG´s billigster Fisch und wirklich Abfall! Wir haben ihn als Hundefutter gekauft! Aber ja, viele Leute hier in PNG kaufen ihn, eben, weil er der günstigste im Regal ist. Könnten sie sich mehr leisten, würden sie sicher auch lieber das Fischfilet bevorzugen...

Übrigens: Die Leute erhalten einen Stundenlohn von unter einem Euro! 
Und eine solche „Hundefutterfischdose“ kostet sie sozusagen eine halbe Stunde Arbeit. 



PS: Vor ca. 3 Jahren war ich auch schon in einer Zigarettenfabrik

05 Juni 2013

Glühlampe, Steckdose, Gesangbuch und Bibel


Nun ist es also auch mir passiert! Früher oder später erwischt es vermutlich eh jeden. Mich eher später, verglichen mit anderen. Jedenfalls was wir so gehört haben.
Mein gestriger Morgen war dicht gepackt. Erst schnell in die Stadt und über den Markt und durch nen Laden getigert, dann Meri Lotu (Frauenkreis der Gemeinde), danach Computerunterricht für unsere drei einheimischen Mitarbeiter an der Base und dann noch mal in die Stadt in den Baumarkt. Schlussendlich in alle drei Baumärkte, die Wewak zu bieten hat. Zwei von vier Dingen gabs in Baumarkt Nummer Eins: eine Glühbirne für unsern Wärmeschrank und eine Blende für eine Steckdose. 
Also auf zu Baumarkt Nummer Zwei! 
Weil mein Bilum (so heißen hier die typischen Stofftaschen, die jeder als Handtasche hierzulande benutzt) so schwer und voll war, hab ich meine Bibel und mein Gesangbuch ausgepackt und auf den Beifahrersitz gelegt, zusammen mit der Plastiktüte vom Baumarkt. Bus zu. Auf uns davon! In Baumarkt Nummer 2 habe ich dann einen Mehrfachstecker gefunden, damit wir unsere neuen selbstgebauten Rosenholz-Nachttischschränkchen mit Leselampen (die haben wir in einem Baumarkt in Deutschland gekauft...) anschließen können. Nun fehlte noch ein Türschloss auf meiner Einkaufsliste. 
Also schnell noch in den Baumarkt Nummer Drei, der gleich gegenüber war. Da hab ich dann auch das Schloss gefunden. Und wie ich zurück zum Bus kam, viel mir schon die halb runter gedrehte Fensterscheibe an der Fahrerseite auf. Ich wusste gleich, womit ich zu rechnen hatte...
Genau: Bibel und Gesangbuch, Glühlampe und Steckdosenleiste waren verschwunden. Die zwei Arbeisordner für den Computerunterricht lagen noch da, ebenso ein kleines Arbeitsbuch vom Meri Lotu.
Bleibt zu hoffen und zu beten, dass der geschätzte Dieb alles wirklich gebraucht: dass er die Bibel liest und auch das Gesangbuch nutzt. Gott verheißt in seinem Wort, dass es nicht leer zurückkommen wird. Möge Mr. Dieb ein Licht aufgehen und er den Gott der Bibel finden, der ihm für sein vermutlich ziemlich sündhaftes Leben Vergebung zusprechen kann und ihm eine neue Perspektive für sein Leben geben kann. Möge er wirklich angesteckt werden und bleiben, wenn der die Bibel öffnet, wie ein Stecker in der Steckdose, sodass sein Diebstahl rundherum Sinn macht und ihm zum Segen wird!
Und ich? Ich bin zurück in Baumarkt Nummer Eins und habe grad noch einmal eine Glühlampe und Steckdosenblende gekauft – zur Verwunderung einiger Angestellter und des Chefs...
Achja, und demnächst muss ich uns wieder eine Tok Pisin Buk Baibel und ein Liederbuch kaufen. 

01 Juni 2013

Garnelen für einen guten Zweck


Gestern haben Mathias und ich mal eben ein Kilo Garnelen verputzt. Das war lecker! Ihr meint vielleicht, da wir hier am Meer leben, haben wir die Garnelen vor der eigenen Haustüre aus dem Wasser gezogen bzw. auf dem Markt gekauft. Weit gefehlt! Die Garnelen kamen mit dem MAF Flugzeug, und zwar aus Kawito. 

1 Kilo Garnelen-Schwänzchen

Kawito liegt im südlichen Flachland und ist eine Außenstation von MAF PNG, die im vergangenen Jahr wiedereröffnet wurde. HIER findet ihr mehr dazu.

In Kawito sind zurzeit zwei MAF Familien stationiert. Für die Einheimischen gibt es in Kawito nur beschränkte Möglichkeiten, ein Einkommen zu erzielen. So kamen die MAF Familien auf die Idee, den Einheimischen die Garnelen abzukaufen, sie kiloweise und tiefgefroren nach Mt. Hagen zu fliegen, wo sich unsereins und ebenso alle anderen MAF Angestellten dann bedienen können – solange der Vorrat reicht...  

Von der Schale befreit ...

Das witzige daran ist, dass die Leute in Kawito eigentlich nur die Köpfe der Garnelen essen und die Schwänze wegwerfen – die wir so gern mögen. Und schon bleibt Keiner hungrig!
Das andere Geniale an den Garnelen ist, dass mit jedem Kilo verkaufter Garnelen ein kleiner Gewinn erwirtschaftet wird, die die Kawito-Piloten dazu nutzen, Medikamente, Brillen und Bibeln zu subventionierten Preisen an die Menschen in den abgelegenen und ärmlichen Dörfern der Western Provinz zu verkaufen

... in der Pfanne gebraten ...

Mif, eine der Kawito-Pilotenfrauen erzählte auf ihrem Blog, wie das Garnelen-Geschäft einen Menschen in Kawito in seinem Alltag hilft:
Eines Tages kam unsere Nachbarin mit einem Mann zu unserm Haus und stellte ihn mir als ihren Onkel vor und sagte, er habe ein paar Garnelen zu verkaufen. „Ok“, sagte ich, „ich hole schnell die Waage.“ Ich wog die Garnelen und bezahlte. Er ging davon. Ich dachte für mich: „Vermutlich sehe ich ihn nie wieder“, denn vermutlich hatte er das Poster gesehen, dass wir Tags zuvor aufgehängt hatten, um den Leuten zu sagen, dass wir Garnelen aufkaufen. Ich glaubte nicht, dass die Idee bald wieder verpuffte bei den Einheimischen und außerdem machte er auf mich nicht wirklich einen gesprächigen oder interessierten Eindruck, ich hatte irgendwie ein komisches Gefühl bei ihm.
Aber am nächsten Tag war er wieder da, mir Garnelen zu verkaufen, und am übernächsten und überübernächsten und ... Er kommt 5 oder 6 mal die Woche zu uns, immer bringt er ungefähr ein Kilo Garnelen.

... und als Salat angerichtet.

Ja, so humpelt er fast täglich zu unserem Haus. Früher war er Mitglied der Papua Neuguinesischen Streitkräfte. Nun ist er zurück im Dorf – mit nur einem Bein. An einem Ort, wo es keine Autos gibt, wo man nur zu Fuß Brennholz besorgen kann, jagen gehen muss, Saksak holen muss oder Kautschuk in den eigenen kleinen Gärten einsammelt – da hat man mit einem Bein nur wenig Chancen. Aber was er gern tut ist fischen. Während 5 oder 6 Nächten pro Woche macht er sich auf zum Garnelenfischen. Am frühen Morgen paddelt er mit seinem Kanu zu unserem Haus und humpelt mit seinen frisch gefangenen Garnelen den kleinen Hügel hoch. 
Wir sind echt begeistert, dass unser Garnelen-Geschäft für diesen Mann eine Möglichkeit darstellt, ein kleines Einkommen zu erzielen. Wir beten, dass wir ihn mehr und mehr kennenlernen und es möglich wird, ihm von unserem Glauben bzw. der Liebe Gottes zu erzählen. Denn was er nicht weiß, ist, dass durch den Weiterverkauf seiner Garnelen an Leute in Mt. Hagen und anderen MAF Außenstationen es für Leute in noch weiter abgelegenen Gebieten möglich wird, vergünstigte Medikamenten und Bibeln zu erhalten.

Der Genießer!

28 Mai 2013

Eine Verknüpfung von Würstchen und Bibeln...


Mathias war vor kurzem mal wieder in Tekin. Glenda hatte eine Ladung Audio-Bibeln für einige ältere Leute im Dorf bestellt. Außerdem war Fracht für die Hochschule geladen und auch mal wieder tiefgekühlte Würstchen und Hühnchen, die Glenda an die Leute im Dorf verkauft. Ansonsten leben die Menschen nur von dem, was sie im Wald jagen. Fleisch bzw. Proteine sind Mangelware im Tekintal, dort oben im Hochland von PNG.
Das schrieb sie uns vor ein paar Tagen. Es ist so eine Freude, ihre Zeilen zu lesen und zu sehen, welch einen Unterschied es für die Menschen in Tekin macht, wenn das Flugzeug kommt und ihnen wertvolle Fracht bringt – für Leib, Seele und Geist.

Montag ist Markttag hier und tatsächlich ein anstrengender Tag für mich mit 6 x 40 Minuten Unterricht. In den Pausen kamen dann die alten Leute, um ihre Audio-Bibeln abzuholen. Wir verteilten sie und halfen ihnen, sie anzuschalten, so dass man dann alle sieben Audio-Bibeln auf einmal hören konnte. Es zog viel Aufmerksamkeit an. Es waren meist ältere Damen und sie alle waren erstaunt und erfreut. 

Stolze Besitzerin einer sprechenden Bibel

Es spielte sich alles außerhalb des Lehrerzimmer ab und die Schüler und auch Leute aus dem Dorf waren sehr beeindruckt, die alten Menschen mit ihren neuen Audio-Bibeln zu sehen. Die alten Damen strahlten richtig und umklammerten die Bibeln, drückten sie an die Brust, als ob sie befürchteten, dass, wenn die Bibel schon sprechen konnte, sie vielleicht auch in der Lage sei wegzurennen! 
Wir wollen den alten Frank bitten, den anderen Leuten beizubringen, wie man die Audio-Bibeln richtig benutzt. Heute morgen zeigten wir ihnen nur, wie man sie an- und ausschaltet. 

Die Leute hier fangen an Airvan Flüge von Wewak mit Würstchen und Bibeln zu verknüpfen. Sie hören das Flugzeug in der Platzrunde wenn sie in ihren Gärten sind und dann kommen sie am Nachmittag zur Station, um zu sehen, was das Flugzeug gebracht hat!
Danke auch für den Hochlandkaffee. Die erste Tasse habe ich schon gebraut! Und er ist absolut nicht zu vergleichen mit dem Nescafe Pulverkaffee! 
Ich habe auch ein paar Pakete von der Post bekommen; die müssen wohl Ludmer oder Jacob für mich abgeholt haben. Das war schön! 
Danke auch für das MAF Australien Magazin. Jeder liebte es, den Artikel von Old Frank zu sehen. Das Foto kam bemerkenswert klar. Old Frank werde ich es am Wochenende zeigen.

HIER geht es zum Bericht von Old Frank.

Eine Woche Flugalltag



Montag – Ins Wasser gefallen
Wegen stundenlangem Regen am Vormittag haben wir das Flugprogramm für diesen Tag gestrichen. Ich bin froh und erledige Papierarbeit von letzter Woche.

Dienstag – Medevac von Lumi
Eine Frau mit Nachgeburtsschwierigkeiten muss dringend nach Vanimo ins Krankenhaus. Ich muss mein Programm ändern und eine Landung streichen, damit das möglich wird. In Vanimo wartet schon ein Ärzteteam und ein Krankenwagen auf die Frau. 

Mittwoch – Zweimal Malaumanda
Eric Hedeen ist seit einigen Jahren Missionar von New Tribes Mission in Malaumanda. Dort übersetzt er die Bibel in die einheimische Stammessprache. Weil NTM seit Mitte Mai keinen Piloten im Sepik hat, fliegen wir für Eric und NTM. Heute hatte ich ca. 380kg Lebensmittel und sonstige Güter für Eric und seine Familie an Bord. Der Traktor mit Anhänger ist das einzige Fahrzeug im Dorf. 


Danach habe ich noch einheimische Passagiere von Wewak für das Dorf. Beim zweiten Flug nach Malaumanda muss ich wegen schlechtem Wetter eine andere Route fliegen. Der direkte Weg von Wewak nach Malaumanda war durch Wolken versperrt. Der Landeplatz von Malaumanda liegt 700m über dem Meer In einem Tal im Hochgebirge von PNG.

Donnerstag – Auf ins Hochland
Endlich wieder ein normales Wewak-Programm. Gefrorene Hühnchen nach Okisai, ein Medevac aus Yatoam für Oksapmin und Passagiere von Okisai nach Telefomin. Auf dem Rückflug nach Wewak hole ich einen Medevac aus Sino ab. 



Die Frau ist an einer seltenen Nervenkrankheut erkrankt und kann ihren Kopf nicht ruhig halten. Sie muss regelmäßig ins Krankenhaus in Wewak für bestimmte Eingriffe, die ihre Krankheit erträglicher machen. Leider gibt es kein Heilmittel. Ihr Mann stützt sie und sorgt für sie. Kelly, ein Missionar von NTM und zzt. Stationsleiter in Wewak, kümmert sich ebenfalls um das Ehepaar aus Sino und fährt sie mit seinem Auto ins Krankenhaus.
Mit 6.2 Flugstunden und 11 Arbeitsstunden mein längster Tag diese Woche.

Freitag – Wochenende!!!
Ich habe das monatliche Flugstun-denlimit von 80 Stunden fast erreicht. Es sind nur noch 4 Stunden übrig, die ich nächste Woche für einen wichtigen NTM Flug brauche. Für mich bedeutet das, nächste Woche Büroarbeit – und Ausruhen!

20 Mai 2013

Rumginae Hospital


Rumginae ist eine der Außenstationen von MAF in der Western Provinz. Zurzeit ist dort eine Schweizer Familie stationiert (HIER geht es zu deren Blog). Bald bekommen sie Verstärkung von einem Australischen Ehepaar. PRaise the Lord!



Das Besondere an Rumginae: Hier gibt es ein großes Buschkrankenhaus, was wirklich eine wertvolle und hervorragende Arbeit leistet. Oft genug wird das MAF Flugzeug hier zum Ambulanzflugzeug. Und das für ein Einzugsgebiet größer als Süddeutschland! HIER die Webseite vom Krankenhaus.


19 Mai 2013

Friedliche Proteste und die Not im Land


Diese Woche Mittwoch gab es landesweit Protestmärsche gegen die Gewalt gegen Frauen. Auch in Wewak sind einige hundert Leute auf die Straße gegangen, die meisten schwarz angezogen.
Die Presse ist voll von verschiedenen Aktionen und Reaktionen an diesem Tag. Die Regierung ist dabei, schärfere Gesetze durchzubringen, u.a. die Durchsetzung der Todesstrafe. Das mag vielleicht kulturell gerechtfertigt sein, aber widerspricht doch sehr ethischen und biblischen Handeln. 
Ein Politiker gab den Frauen die Schuld an der Gewalt – sie sollen halt Röcke tragen und ihre Knie bedecken, damit die Männer nicht auf dumme Gedanken kommen... Ob das hilft?!
Am gleichen Tag des National Haus Krai sind DIE drei Schwerstverbrecher von PNG aus dem Gefängnis in Port Moresby ausgebrochen und mit ihnen noch mal ca. 30. Am hellichten Tag!
Mandy war beim Einkaufen. Ihre Kassierin war abgelenkt – eine Frau kam vorbei und schob kurz die Kapuze nach hinten: Ein riesiges Pflaster klebte auf der Stirn. Ihr Bruder habe sie mit einem Stock geschlagen und mit dem Buschmesser verletzt. Er stand unter dem Einfluss von Drogen und Alkohol.
Zuvor besuchte sie noch Rebekka, deren eigener Sohn ihr Haus vor einigen Wochen auch im Suff abgebrannt hat. Sie ist nach wie vor traurig, war mittlerweile mal wieder dort, hat mit ihrem Sohn geredet, ihm gesagt, dass sie ihm vergibt. Aber es reicht eben nicht, – typisch PNG – nur beschämt ein paar Worte der Entschuldigen zu murmeln, wenn nicht wirklich Versöhnung stattfindet. Er will seine Mutter nicht mehr neben sich wohnen haben.
Nur wirkliche Versöhnung und Umkehr zu einem gnädigen Gott kann PNG helfen, solche Greueltaten in Zukunft zu verhindern. Bitte bleibt treu im Beten für diese Land!

11 Mai 2013

Den Tod 80-mal mehr vor Augen


Medevac einer hochschwangeren Frau
aus Oksapmin nach Wewak vergangenen Dienstag

Bei medizinischen Notfallflügen, kurz Medevacs, sind es oftmals Frauen mit Geburtsschwierigkeiten, die in städtische Krankenhäuser geflogen werden.  
Ein Zitat des australischen Außenministers Bob Carr von seinem Staatsbesuch am vergangenen Wochenende verdeutlicht die Not der Frauen: „Es ist nicht akzeptierbar, dass eine Frau in Papua Neuguinea 80 mal mehr in der Gefahr steht an Geburtskomplikationen zu sterben als eine Frau in Australien – vor allem, wenn die Ursachen eigentlich vermeidbar wären.“ Er versprach weiterhin, „dass Australien in Zusammenarbeit mit der Regierung von PNG daran arbeitet, die Gesundheit von Müttern und deren Babies durch unsere Hilfsprogramme zu verbessern.“

08 Mai 2013

Humor ist, wenn man trotzdem lacht


Mathias war mit dem Flugzeug unterwegs. Mandy kam für Computernachhilfe an die Base. Vor dem MAF Gelände strahlten schon von weitem kleine orangene Männchen. Ein Bautrupp!
Das Wewak-Flugplatzgelände wird komplett eingezäunt. Alles eine Frage der Sicherheit. Oft genug beobachten die landenden Piloten Menschen rechts und links der Landebahn. Es ist halt kürzer zur Hauptstraße hin als ganz außen herum zu laufen... Das wird nun bald ein Ende haben. Hin und wieder wurde die Landebahn auch als Kampfarena genutzt. Wo hat man denn sonst so eine schöne übersichtliche Fläche, um irgendwelche Stammesstreitigkeiten auszutragen?...

Beim Näherkommen allerdings verwunderte ich mich. Da wird ja der komplette MAF Frachtanlieferungsbereich eingezäunt! Ebenso der Eingang für die Passagiere. Ich sage den Bauarbeitern besser mal, dass sie langsam machen, sonst haben sie u.U. die doppelte Arbeit. Sie haben mein Anliegen schon verstanden, aber sie machen ja auch nur, was man ihnen sagt – ohne zu hinterfragen, natürlich. Also mache ich mich auf, jemand Verantwortlichen Im Büro des Flughafens zu finden. Logisch: Keiner da, auch keiner, der mir eine Telefonnummer geben kann, um den Chef des Unternehmens zu erreichen.
Was nun? Besser mal in Mt. Hagen bei MAF Bescheid geben. Unser Building- und Maintenance-Manager ist sicher auch ganz interessiert an dem, was hier vor sich geht. Ein paar Fotos schicke ich ihm am Nachmittag nach.

Doppelter Zaun – direkt vorm Cargo-Gate...

Blick nach draußen vom MAF Lager

Mittlerweile sind dennoch alle Pfosten einzementiert, die Stahlzaunlatten allerdings fehlen. Emails, Gelände- und Bauszeichnungen wurden ausgetauscht. Die Baufirma hat sich entschuldigt und wird nun alles so machen, dass MAF in Zukunft keine Einschränkungen hinnehmen oder baulichen Veränderungen vornehmen muss.

Als Mathias gestern in Mt. Hagen war und ein paar Leute vom MAF Management getroffen haben, meinten sie, dass sie alle erstmal herzhaft gelacht haben, als sie die Fotos gesehen haben. Anders kann man mit dem ständigen Frust hier sonst nur schwer klar kommen....

Haupteingang für MAF Mitarbeiter und Spritlieferungen

06 Mai 2013

Aufstand gegen die Gewalt




Leider gab es einige heftige und äußerst unangenehme Ereignisse während des letzten Monats. In Mount Hagen wurde ein Anschlag auf einen australischen Geschäftsmann verübt, der allerdings gerade außer Landes war. Aber ein Freund, der zzt. das Haus hütete  und der mit einigen Bauarbeiten half, wurde an dessen Stelle erschossen und kaltblütig ermordet. Eine philippinische Frau, die auch für den Geschäftsmann arbeitete und im gleichen Haus lebte, wurde von der Gruppe Eindringlinge reihenweise vergewaltigt, nachdem die Täter auch in ihre Wohnung einbrachen.

In einem anderen Vorfall wurde eine US-amerikanische Biologin auf der Insel 
Karkar ebenso von einer Gruppe Männer vergewaltigt, nachdem ihr Mann und ein einheimischer Begleiter zuvor entkleidet und gefesselt wurden. Ein Angriff wie dieser in einer so abgelegenen Gegend ist ungewöhnlich.

Ein anderer Vorfall zeigt auch, in welcher Zwickmühle die Einheimischen sind, wenn sich die Gewalt in ihren Familien ereignet. Ein MAF Kollege aus Mt. Hagen schrieb kürzlich in Facebook: 
Ich bin traurig über die "Bestie", gegen die unser Wachmann zzt zu kämpfen hat. Seine Schwester wurde von ihrem eigenen Ehemann mit einer Machete verletzt. Dieser schaffte es, ihre beiden Achillessehnen damit zu durchtrennen! Sie ist im Krankenhaus hier in Hagen, während ihre Familie (Brüder und Männer des Dorfes) debattieren, das Beste (gemeint ist „das Lukrativste“) aus dieser Aktion herauszuholen. Das Problem ist, dass, wenn sie ihn bei der Polizei anzeigen, wird er eine Tracht Prügel bekommen und Gefängnis müssen - aber sie werden nicht die 12.000 Kina Bargeld und Dutzende von Schweinen als Entschädigung bekommen. Außerdem, wenn ihn im Gefängnis irgendetwas zustoßen sollte, dann haben sie wiederum eine Entschädigung  an seine Familie zu zahlen. Wo ist die Gerechtigkeit hier? Wo ist Gnade? Meine Güte! Unser armer Wachmann weiß, was zu tun ist!

Diese sowie einige andere schwerwiegende Vorfälle haben gezeigt, dass das Ausmaß der Gewalt und des Bösen hier derzeit über das, was "normal" ist, steigt. 
Die einzige positive Sache ist, dass die internationale Besorgnis und Verurteilung die Regierung dazu treibt, schärfere Maßnahmen zu ergreifen.


Am 15. Mai findet ein öffentlicher Trauertag statt, organisiert von einigen Frauenverbänden aufgrund der Vorfälle in den vergangenen Wochen. Trauern gehört hier in PNG zur Kultur dazu. Unsereins hat oft den Eindruck, dass Toten mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird als den Lebenden, wenn man sieht, in welchen Konvois die Menschen bei Trauerfällen unterwegs sind und wie teilweise auch dann das öffentliche Leben still steht. Oftmals alles aus Angst, dass man dem Geist des Verstorbenen einfach nicht gegen sich selbst schlecht stimmen will, also schreit man am lautesten. Außerdem gibt es viel zu essen. 

Auch ihr könnt einen Beitrag leisten: 
  • Bitte betet für die Opfer und Familien dieser schrecklichen Verbrechen.
  • Betet, dass die Verbrecher gefangen und verurteilt werden. Insbesondere betet dafür, dass sie nicht von ihren Familienverbänden und Clans geschützt werden.
  • Betet, dass die Aktionen der Regierung positiv sein werden, gut durchdacht und effektiv
  • Betet, dass die Polizei auch ermittelt und faire Maßnahmen ergreift, um die Verantwortlichen zu fangen.
  • Betet, dass MAF Mitarbeiter (sowohl unsere Einheimischen wie wir Internationalen) als Folge dieser Verbrechen nicht eingeschüchtert werden und wir weiterhin im Vertrauen auf unseren großen Gott treu unseren Dienst tun.